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Aktionärsbrief Berkshire Hathaway 2001 - Teil 6

Prinzipien des Versicherungsrisikos

Wenn Gebäude- und Sachversicherer nach ihren Kosten für die Mittel beurteilt werden, bleiben nur wenige mit zufriedenstellenden Ergebnissen übrig. Und interessanterweise - anders als die überwiegende Situation in vielen anderen Branchen - bestimmt weder Größe noch Name die Profitabilität eines Versicherers. Tatsächlich bringen viele der größten und bekanntesten Versicherer regelmäßig nur mittelmäßige Ergebnisse. Was in diesem Geschäft zählt, ist Disziplin beim Eingehen von Risiken. Die Gewinner sind die, die sich zuverlässig an diese drei Prinzipien halten:

1. Sie akzeptieren nur solche Risiken, die sie ausreichend abschätzen können (dabei bleiben Sie in den Bereichen, in denen sie sich auskennen), und die Profit versprechen, nachdem sie alle relevanten Faktoren einschließlich unwahrscheinlicher Verlustszenarios abgeschätzt haben. Diese Versicherer interessieren sich nicht für Marktanteile und sind froh darüber, Geschäft an Mitbewerber zu verlieren, die verrückte Preise oder Konditionen anbieten.

2. Sie begrenzen die Risiken, die sie akzeptieren, in einer Art und Weise, die garantiert, daß sie keine Anhäufung von Leistungen aus einem einzelnen Ereignis oder verwandten Ereignissen erleiden werden, die ihrer Solvenz schaden könnte. Sie suchen unaufhörlich nach möglichen Wechselbeziehungen zwischen anscheinend nicht zusammenhängenden Risiken.

3. Sie vermeiden Geschäft, das moralische Risiken beinhaltet: Egal wie die Raten sind, der Versuch, gute Verträge mit schlechten Menschen abzuschließen, schlägt fehl. Während die meisten Versicherten und Kunden ehrlich und moralisch sind, sind Geschäfte mit den wenigen Ausnahmen normalerweise teuer, manchmal sogar außerordentlich teuer.

Die Ereignisse des 11. September zeigten deutlich, daß die Regeln 1 und 2 bei General Re nur gefährlich schlecht umgesetzt waren. Das Risiko sehr großer Terrorismus-Schäden haben wir bei der Preisfindung oder auch beim Abschätzen der Anhäufungsrisiken entweder übersehen oder einfach abgetan. Das war ein wichtiger Risikofaktor, und wir haben ihn ignoriert.

Bei der Preisfindung für den Schutz von Immobilien z.B. haben wir uns die Vergangenheit angeguckt und nur mit Kosten, die wir von Stürmen, Feuer, Explosionen und Erdbeben erwarten konnten, gerechnet. Aber das, was der größte versicherte Immobilienschaden in der Geschichte (nach der Addition von Betriebsunterbrechungsversicherungen) sein wird, entstand aus keiner dieser Gewalten. Kurz gesagt, alle von uns im Gewerbe machten dadurch einen fundamentalen Fehler, sich nur auf Erfahrungen statt auf das Offensichtliche zu konzentrieren, und dabei mit einem großen Terrorismusrisiko zu rechnen, für das wir keine Prämie erhielten.

Natürlich ist Erfahrung ein sehr nützlicher Ausgangspunkt, wenn man Risiken übernimmt. Zum Beispiel ist es für Versicherer, die Erdbebenpolicen in Kalifornien verkaufen, wichtig zu wissen, wieviele Beben im vergangenen Jahrhundert 6,0 oder mehr auf der Richterskala erreichten. Diese Information wird ihnen nicht die genaue Wahrscheinlichkeit für ein großes Beben im nächsten Jahr geben oder wo es genau passieren wird. Aber die Statistik ist nützlich, besonders wenn Sie landesweit große Risiken tragen, was National Indemnity in vergangenen Jahren getan hat.

Manchmal jedoch ist das Nutzen von Erfahrung bei der Preisfestsetzung nicht nur nützlich, sondern wirklich gefährlich. Zum Beispiel sind am Ende eines Bullenmarktes große Leistungen aus der Haftpflichtversicherung für Manager („D&O“) üblicherweise selten. Wenn Aktien steigen, gibt es weniger Ziele für Klagen, und sowohl fragwürdige Bilanzierungen als auch Schikane durch das Management bleiben häufig unentdeckt. Zu diesem Zeitpunkt erscheinen die Aussichten bei D&O mit hohen Haftungen großartig.

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