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Aktionärsbrief Berkshire Hathaway 2001 - Teil 7

Aber das ist nur so, wenn das Offensichtliche gleichsam explosionsartig auftritt, durch lächerliche Angebote, Gewinnmanipulation, kettenbriefartige Werbung für Aktien und einem Sammelsurium anderer widerwärtiger Aktivitäten. Wenn Aktien fallen, treten diese Sünden zutage und treffen Investoren mit Verlusten, die in Hunderte von Milliarden gehen können. Von Gerichten, die entscheiden, ob diese Verluste von kleinen Investoren oder großen Versicherungsunternehmen getragen werden sollen, kann erwartet werden, daß sie Versicherer mit Entscheidungen treffen, die in fast keinem Verhältnis zu denen aus den Tagen des Bullenmarktes stehen. Selbst ein großes Urteil kann außerdem Versicherungsleistungen verursachen, die in späteren Fällen wie Pilze aus dem Boden schießen. Folgerichtig, kann die korrekte Prämie für D&O „Exzesse“ (das bedeutet, der Versicherer oder Rückversicherer zahlt Leistungen über einer hohen Schwelle), wenn sie auf Offensichtlichkeit basiert, durchaus fünf Mal so hoch sein wie die Prämie, die die Erfahrung vorschreibt.

Es war für Versicherer immer kostenträchtig, neue offensichtliche Fakten zu ignorieren. Im Falle des Terrorismus allerdings hätte dies die Branche in den Ruin treiben können. Niemand kennt die Wahrscheinlichkeit einer nuklearen Explosion in einer großen Metropole in diesem Jahr (oder sogar mehrere Explosionen, unterstellt daß eine terroristische Organisation, die fähig ist, eine Bombe zu konstruieren, dort nicht Halt macht). Ebenso wenig kann jemand mit Sicherheit die Wahrscheinlichkeit abschätzen, daß in diesem Jahr oder einem anderen, tödliche biologische oder chemische Mittel in großen Bürogebäuden oder Fabriken freigesetzt werden (sagen wir durch Ventilatoren). Ein Angriff dieser Art würde astronomische Ansprüche der Berufstätigen begründen.

Dies ist, was wir wissen:

(a) Die Wahrscheinlichkeit solcher irrsinnigen Katastrophen - obwohl gegenwärtig ziemlich gering - ist nicht Null.

(b) Die Wahrscheinlichkeiten nehmen in einem unregelmäßigen und nicht zu messenden Ausmaß zu, wie Wissen und Material denjenigen verfügbar wird, die uns übel wollen. Die Angst mag mit der Zeit zurückgehen, aber nicht die Gefahr - der Krieg gegen den Terrorismus kann niemals gewonnen werden. Das beste, was die Nation erreichen kann, ist eine lange Folge von Pattsituationen. Es kann keinen Sieg gegen eine Hydra geben.

(c) Bis heute haben Versicherer und Rückversicherer die finanziellen Konsequenzen aus den von mir beschriebenen unkalkulierbaren Risiken nicht wirklich angenommen

(d) Unter einem „close-to-worst-case“ Szenario, welches durchaus Schäden in Höhe von $ 1 Billion beinhalten könnte, würde die Versicherungsindustrie vernichtet werden, es sei denn, sie schafft es auf irgendeine Weise, die Übernahme von Terrorismusrisiken dramatisch zu begrenzen. Nur die Regierung der Vereinigten Staaten hat die Ressourcen, einen solchen Schlag zu verdauen. Wenn sie dazu auf einer zukünftigen Basis nicht bereit ist, muß die Bevölkerung ihre eigenen Risiken tragen und auf eine Rettung durch die Regierung hoffen, nachdem ein Desaster passiert ist.

Warum, mögen Sie fragen, habe ich die o.g. Fakten nicht vor dem 11. September wahrgenommen? Leider lautet die Antwort, daß ich es getan habe - aber ich habe es nicht in die Praxis umgesetzt. Ich verletzte Noah’s Regel: Vorhergesagter Regen zählt nicht; Archen bauen schon. Folglich habe ich Berkshire auf einem gefährlichen Risikolevel operieren lassen - besonders bei General Re. Es tut mir leid, sagen zu müssen, daß sich viel Risiko, das noch nicht kompensiert ist, noch immer in unseren Büchern befindet, aber es läuft eines Tages aus.

Es sollte beachtet werden, daß wir bei Berkshire einige Jahre bereit waren, mehr Risiken zu tragen als es jeder andere Versicherer bewußt getan hat. Wir sind absolut bereit, $ 2 bis 2,5 Milliarden in einem einzigen Ereignis (so wie wir es am 11. September getan haben) zu verlieren, wenn wir angemessen für das übernommene Risiko, das den Verlust verursacht hat, bezahlt werden (und in diesem Fall wurden wir es nicht).

Tatsächlich haben wir durch unsere Akzeptanz für äußerst hohe Risiken einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Berkshire hat massive Liquiditätsreserven, substantielle Einkünfte aus dem Nicht-Versicherungsgeschäft, eine ausgezeichnete Steuersituation und einen intelligenten Aktionärskreis, der Volatilität bei den Ergebnissen akzeptiert. Diese einzigartige Kombination ermöglicht es uns, Risiken zu übernehmen, die den Appetit selbst unserer größten Wettbewerber deutlich überschreitet. Über einen längeren Zeitraum sollte die Versicherung dieser gewaltigen Risiken profitabel sein, obwohl es immer wieder ein schreckliches Jahr geben wird.

Die heutige Grundlinie sieht so aus, daß wir einige Risiken für terrorismusbedingte Schäden einschließlich einiger davon unabhängiger Policen mit sehr hohen Summen übernehmen. Aber wir werden Berkshire nicht wissentlich größeren Verlusten aussetzen, als wir bequem handhaben können. Wir werden unsere gesamten Risiken kontrollieren, egal was die Konkurrenz macht.

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