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Ein unverblümteres
Etikett für das zur Debatte stehende Phänomen könnte
„Verluste, die wir nicht bemerkten, als sie auftraten“ (oder vielleicht
einfach „Uuups“) sein. Es sollte beachtet werden, daß zu geringe
Reserven ein verbreitetes - und ernstes - Problem in der gesamten
Gebäude- und Sachversicherungsbranche darstellen. Bei Berkshire
erzählten wir Ihnen 1984 und 1986 von unseren eigenen Problemen
mit zu niedrigen Schätzungen. Im Allgemeinen jedoch ist unsere
Reservenbildung konservativ gewesen.
Bedeutend zu niedrige
Reserven sind häufig bei Gesellschaften, die ums Überleben
kämpfen. In Wirklichkeit ist die Bilanzierung von Versicherungen
ein selbst-benotetes Examen, in dem der Versicherer seinem
Wirtschaftsprüfer einige Zahlen gibt, die üblicherweise nicht
hinterfragt werden (was der Wirtschaftsprüfer jedoch bekommt, ist
ein Brief vom Management, der so konstruiert ist, daß seine Firma
aus allen Schwierigkeiten raus ist, wenn die Zahlen später dumm
aussehen). Eine Gesellschaft in finanziellen Schwierigkeiten - einer
Art, die sie, ernsthaft betrachtet, aus dem Geschäft bringen kann
- wird selten ein strenger Bewerter sein. Wer will den auch seinen
eigenen Totenschein ausstellen?
Selbst wenn Unternehmen die
besten Absichten haben, ist es nicht einfach, die Reserven richtig zu
berechnen. Ich habe die Geschichte über den im Ausland reisenden
Kameraden schon mal erzählt, den seine Schwester anruft, um ihm zu
sagen, daß ihr Vater gestorben ist. Der Bruder antwortet, es sei
ihm unmöglich, zur Beerdigung zu kommen; er erklärt sich aber
bereit, die Kosten zu tragen. Bei seiner Rückkehr erhält der
Bruder eine Rechnung von der Leichenhalle über $ 4.500, die er
sofort bezahlt. Einen Monat später, und einen Monat danach
nochmals, zahlt er 10 Dollar gemäß einer zusätzlichen
Rechnung. Als die dritte 10-Dollar-Rechnung kommt, ruft er seine
Schwester an, um eine Erklärung zu erhalten. „Oh“, antwortet sie,
„ich habe vergessen, es dir zu erzählen: Wir haben Papa in einem
geliehenen Anzug beerdigt.“
In den vergangenen
Geschäften von Versicherungsunternehmen sind eine Menge
„geliehener Anzüge“ vergraben worden. Die Probleme, die sie
anzeigen, schlummern manchmal Jahrzehnte, bis sie sich bösartig
manifestieren, wie es bei Asbest der Fall war. So schwierig das auch
sein mag, es ist die Verantwortung des Managements, für alle
Möglichkeiten angemessen zu bilanzieren. Konservatismus ist
unentbehrlich. Wenn ein Manager für Versicherungsleistungen in das
Büro des CEO geht und „Rate mal, was gerade passiert ist“ sagt,
erwartet der Boss, wenn er erfahren ist, nicht, gute Nachrichten zu
hören. Die Wirkung von Überraschungen in der
Versicherungswelt war schon immer alles andere als identisch mit ihrem
Einfluß auf Gewinne.
Aufgrund dieser einseitigen
Erfahrung ist es eine Torheit vorzuschlagen, wie es einige tun,
daß alle Reserven der Gebäude- und Sachversicherung
diskontiert werden sollen, ein Herangehen, das die Tatsache
widerspiegelt, daß sie in der Zukunft gezahlt werden und ihr
aktueller Wert deswegen geringer ist als die ausgewiesenen
Rückstellungen für sie. Diskontieren könnte akzeptabel
sein, wenn die Reserven genau ermittelt werden könnten. Sie
können es aber nicht, weil Myriaden von Kräften - die
Ausweitung der juristischen Sprache bei Policen und medizinische
Inflation, um nur zwei chronische Probleme zu nennen - konstant daran
arbeiten, Reserven unangemessen werden zu lassen. Diskontierung
würde diese bereits ernste Situation noch verschlimmern und
zusätzlich ein neues Werkzeug für die Gesellschaften
darstellen, die sich dem Ende zuneigen.
Ich würde sagen,
daß die Effekte davon, einem Versicherungs-CEO, von dem Gewinne
erwartet werden, zu erzählen, die Reserven durch Diskontieren zu
verringern, mit denen vergleichbar wären, die sich daraus ergeben
würden, wenn ein Vater seinem 16-jährigen Sohn sagen
würde, er solle ein normales Sexualleben führen. Keine Seite
braucht diese Art von Anschub.
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