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Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 2002 - Teil 4

Die Wirtschaftlichkeit der Sach- bzw. Schadenversicherung

Unser Hauptgeschäft - obwohl wir andere von großer Wichtigkeit haben - sind Versicherungen. Um Berkshire zu verstehen, ist es deshalb notwendig, daß Sie verstehen, ein Versicherungsunternehmen zu bewerten. Die entscheidenden Faktoren sind: (1) die flüssigen Mittel, die die Versicherung generiert, (2) deren Kosten und (3), das kritischste von allen, der langfristige Ausblick für diese beiden Faktoren.

Um damit zu beginnen: Flüssige Mittel bedeuten Geld, das wir haben, das uns aber nicht gehört. Beim Betreiben von Versicherungsgeschäften entstehen flüssige Mittel, weil Prämien eingenommen werden, bevor Schäden reguliert werden; ein Zeitraum, der sich manchmal über Jahre hinzieht. Während dieser Zeit investiert der Versicherer das Geld. Diese angenehme Tätigkeit hat typischerweise eine Kehrseite: Die Prämien, die ein Versicherer einnimmt, decken normalerweise nicht die Leistungen und die Ausgaben, die er bezahlen muß. Das führt zu einem versicherungstechnischen Verlust, der die Kosten der Mittel darstellt. Ein Versicherungsgeschäft hat dann einen Wert, wenn die Kosten für diese Mittel über einen längeren Zeitraum gesehen geringer sind als die Kosten, die das Unternehmen sonst hätte, um Mittel aufzunehmen. Aber man hat mit Zitronen gehandelt, wenn die Kosten für die Mittel höher sind als die Geldmarktsätze. Darüber hinaus hat der nach unten zeigende Trend der Zinssätze in den vergangenen Jahren Risiken, die früher annehmbar waren, in Lasten verwandelt, die Versicherungsgeschäfte tief in die Zitronenkategorie geschickt haben.

Historisch gesehen, hat Berkshire seine Mittel zu sehr niedrigen Kosten aufgenommen. Tatsächlich waren unsere Kosten in vielen Jahren niedriger als null; das bedeutet, wir wurden dafür bezahlt, anderer Leute Geld zu halten. In 2001 jedoch waren unsere Kosten katastrophal, sie endeten bei 12,8 %, wovon die Hälfte auf das Konto der Verluste aus dem World Trade Center ging. 1983-1984 hatten wir sogar noch schlimmere Jahre. Günstige Mittel gibt es nicht automatisch.

Die folgende Tabelle zeigt (in Intervallen) die Mittel, die von den verschiedenen Segmenten von Berkshires Versicherungsgeschäften generiert wurden, seit wir vor 36 Jahren durch den Erwerb der National Indemnity Company (deren Zahlen traditionell unter „Andere Erstversicherer“ auftauchen) in das Geschäft einstiegen sind. Für die Tabelle haben wir die Mittel - die wir in großen Mengen im Verhältnis zu unserem Prämienvolumen generieren - berechnet, indem wir die Nettorücklage für laufende Risiken, die Reserven für die Schadenregulierung, die Mittel aus übernommener Rückversicherung und den Deckungsstock addiert haben und die versicherungstechnischen Forderungen, die vorausgezahlten Steuern und Akquisitionskosten sowie den die übernommene Rückversicherung betreffenden Rechnungsabgrenzungsposten abgezogen haben (alles verstanden?):

Mittel am Jahresende (in Millionen US-Dollar)

Jahr GEICO General Re Andere Rück-versicherer Andere Erst-versicherer Summe
1967 20 20
1977 40 131 171
1987 701 807 1.508
1997 2.917 4.014 455 7.386
1998 3.125 14.909 4.305 415 22.754
1999 3.444 15.166 6.285 403 25.298
2000 3.943 15.525 7.805 598 27.871
2001 4.251 19.310 11.262 685 35.508
2002 4.678 22.207 13.396 943 41.224

Die Kosten unserer Mittel betrugen im letzten Jahr 1 %. Wie ich schon vorher erwähnte, sollten Sie Ihre Begeisterung über dieses tolle Ergebnis dämpfen, weil keine Megakatastrophe im Jahr 2002 auftrat. Wir sind sicher, daß diese Desaster regelmäßig auftreten, und wenn das passiert, werden unsere Kosten für die Mittel hochschießen.

Unsere Ergebnisse in 2002 wurden getroffen von 1) einer schmerzhaften Belastung bei General Re für Verluste, die in früheren Jahren als Kosten hätten verbucht werden sollen und 2) einer „wünschenswerten" Belastung, die wir jährlich für rückwirkende Versicherungen auf uns laden (lesen Sie im nächsten Absatz mehr darüber). Diese Belastungen betrugen zusammen $ 1,75 Milliarden oder etwa 4,6 % der Mittel. Glücklicherweise war unser gesamtes versicherungstechnisches Ergebnis in 2002 exzellent, und das ermöglichte uns, uns sogar nach den erwähnten Belastungen einem Keine-Kosten-Ergebnis zu nähern.

Wenn es zu keiner Megakatastrophe kommt, erwarte ich, daß die Kosten für unsere Mittel in 2003 wieder sehr niedrig ausfallen werden - eventuell sogar weniger als null. In der folgenden Zusammenfassung unseres Versicherungsgeschäftes werden Sie sehen, warum ich optimistisch bin, daß unser versicherungstechnisches Ergebnis langfristig sowohl das der Branche übertreffen wird und uns auch investierbare Mittel zu minimalen Kosten liefern wird.

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