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Corporate Governance (das Führen eines
Unternehmens)
Sowohl die Fähigkeit
als auch die Treue von Managern müssen schon sehr lange
überwacht werden. Bereits vor fast 2.000 Jahren erwähnte
Jesus Christus dieses Thema (Lukas 16,2), er sprach billigend von einem
“bestimmten reichen Mann”, der seinem Manager sagte: „Leg Rechenschaft
ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein
Verwalter sein.“
Rechenschaft und
Verantwortlichkeit schwanden in der letzten Dekade, sie wurden zu
Qualitäten, die von denen, die in der Großen Blase
groß rausgekommen sind, als unwichtig erachtet wurden. So wie die
Aktienkurse stiegen, fielen die Verhaltensregeln der Manager. Als ein
Ergebnis stießen Vorstände, die auf der Hohen Straße
reisten, Ende der 90er nicht auf viel Verkehr.
Es soll auch gesagt werden,
daß die meisten Vorstände Männer und Frauen sind, die
man gerne als Treuhänder für das Vermögen seiner Kinder
oder als Nachbar hätte. Jedoch haben sich zu viele von diesen
Menschen in den letzten Jahren im Büro schlecht verhalten, Zahlen
aus den Fingern gesaugt und unanständige Bezahlungen für
durchschnittliche Leistungen kassiert. Diese ansonsten anständigen
Menschen folgten einfach dem Karriereweg von Mae West: “Ich war
Schneewittchen, aber ich wurde abgetrieben.”
Theoretisch hätten
Gesellschaftsorgane diesen Verfall der Führung verhindern sollen.
Zuletzt schrieb ich im Geschäftsbericht 1993 über die
Verantwortung von Direktoren (wir senden Ihnen auf Anforderung ein
Exemplar zu oder Sie können es im Internet im Bereich Corporate
Governance im ‘93er Brief lesen). Dort sagte ich, daß
Vorstände „sich verhalten sollten, als gäbe es nur einen
einzelnen abwesenden Eigentümer, dessen langfristige Interessen
sie mit allen ordentlichen Mitteln zu fördern versuchen sollten.“
Das bedeutet, daß sich Vorstände von einem Manager trennen
müssen, der durchschnittlich oder schlechter ist, egal wie
sympathisch er auch sein mag. Vorstände müssen so reagieren
wie die Revuetänzerin bei ihrer Hochzeit mit einem
85-jährigen Multimillionär, der sie fragte, ob sie ihn auch
dann lieben würde, wenn er sein Geld verlöre.
„Natürlich“, antwortete die junge Schönheit, „ich würde
dich vermissen, aber ich würde dich immer noch lieben.“
Im ‘93er
Geschäftsbericht sagte ich auch, daß Vorstände noch
einen anderen Job hätten: „Wenn sich fähige, aber gierige
Manager übernehmen und versuchen, zu tief in die Taschen der
Aktionäre zu greifen, müssen Vorstände ihnen auf die
Finger hauen.“ Seit ich das schrieb, ist das Übernehmen
üblich geworden, aber nur wenige Finger sind gehauen worden.
Warum sind intelligente und
anständige Aufsichtsräte so miserabel gescheitert? Die
Antwort liegt nicht in nicht ausreichenden Gesetzen - es ist immer klar
gewesen, daß Vorstände verpflichtet sind, die Interessen der
Aktionäre zu vertreten - sondern eher an dem, was ich
„Sitzungssaal-Atmosphäre“ nenne.
Es ist beispielsweise fast
unmöglich, in einem Sitzungssaal voller höflicher Menschen
die Frage aufzuwerfen, ob der Vorstandsvorsitzende ersetzt werden
sollte. Es ist ebenso unangenehm, eine vorgeschlagene Akquisition in
Frage zu stellen, die vom Vorstandsvorsitzenden genehmigt wurde,
insbesondere wenn seine Mitarbeiter und externe Berater anwesend sind
und einstimmig seine Entscheidung unterstützen (wenn sie das nicht
tun, wären sie nicht in dem Raum). Wenn schließlich der
Gehaltsausschuß - wie immer bewaffnet mit Unterstützung von
einem hochbezahlten Berater - von einer riesigen Gewährung von
Aktienoptionen an den Vorstandsvorsitzenden berichtet, wäre es
für einen Aufsichtsrat wie Aufstoßen am Eßtisch
vorzuschlagen, der Ausschuß solle noch einmal abwägen.
Diese „sozialen“
Schwierigkeiten sprechen für regelmäßige Treffen
außenstehender Aufsichtsräte ohne den Vorstandsvorsitzenden
- eine Reform, die umgesetzt worden ist und die ich begeistert
unterstütze. Ich bezweifele jedoch, daß die meisten der
anderen neuen Verhaltensregeln und -empfehlungen Vorteile schaffen
werden, die im richtigen Verhältnis zu den geldlichen und anderen
Kosten, die sie verursachen, stehen.
Der letzte Schrei sind
„unabhängige“ Aufsichtsräte. Es ist sicherlich wahr,
daß es wünschenswert wäre, Aufsichtsräte zu haben,
die unabhängig denken und sprechen - aber sie müssen
ebenfalls das Geschäft begreifen, interessiert und
aktionärsorientiert sein. In meinem Kommentar von 1993 habe ich
diese drei Eigenschaften als grundlegend beschrieben.
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