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Über eine Spanne von
40 Jahren war ich in den Aufsichtsräten von 19
Publikumsgesellschaften (ohne Berkshire) und habe es mit vielleicht 250
Aufsichtsräten zu tun gehabt. Die meisten von ihnen waren nach den
heutigen Regeln „unabhängig“. Aber der großen Mehrheit
dieser Aufsichtsräte fehlte mindestens eine der drei
Eigenschaften, die ich schätze. Als Konsequenz war ihr Beitrag zum
Wohlergehen der Aktionäre bestenfalls minimal, zu oft sogar
negativ. Obwohl diese Menschen intelligent und anständig waren,
wußten sie einfach nicht genug über Business und/oder
kümmerten sich nicht genug um die Aktionäre, um dumme
Akquisitionen oder ungeheuerliche Bezahlung in Frage zu stellen. Mein
eigenes Verhalten, muß ich reuevoll hinzufügen, blieb
ebenfalls häufig zurück: Zu oft schwieg ich, wenn das
Management Vorschläge unterbreitete, die ich als gegenteilig zu
den Interessen der Aktionäre betrachtete. In diesen Fällen
siegte Kollegialität über Unabhängigkeit.
Damit wir das Scheitern der
„Unabhängigkeit“ weiter ansehen können, lassen Sie uns eine
62 Jahre abdeckende Fallstudie über Tausende von Unternehmen
ansehen. Seit 1940 schreiben Bundesgesetze vor, daß eine
große Anzahl der Aufsichtsräte von Investmentgesellschaften
(die meisten davon Mutual Funds) unabhängig zu sein haben. Das
Erfordernis war ursprünglich 40 % und liegt jetzt bei 50 %. In
jedem Fall hat ein typischer Fonds lange mit Aufsichtsräten
gearbeitet, die in der Mehrzahl unabhängig waren.
Diese Aufsichtsräte
und das gesamte Organ haben viele oberflächliche Pflichten, in
Wirklichkeit aber nur zwei wichtige Verantwortlichkeiten: den
bestmöglichen Manager zu beschaffen und mit diesem Manager
über die niedrigste mögliche Bezahlung zu verhandeln. Wenn
Sie selbst nach einem Investment für sich suchen, sind diese zwei
Ziele die einzigen, die zählen, und Aufsichtsräte, die
für andere Investoren agieren, sollten genau die gleichen
Prioritäten setzen. Wenn es jedoch zu unabhängigen
Aufsichtsräten kommt, die beide Ziele verfolgen, haben diese einen
feierlichen Ruf.
Die Aufsichtsräte von
vielen Tausend Investmentgesellschaften treffen sich jährlich, um
den grundlegenden Job auszuführen, Manager für die
Ersparnisse der Millionen von Eigentümern, die sie
repräsentieren, auszuwählen. Jahr für Jahr wählen
die Aufsichtsräte von Fonds A Manager A, die Aufsichtsräte
von Fonds B wählen Manager B und so weiter in einem
schlafmützigen Prozeß, der Verantwortung zu einer Farce
macht. Ein Aufsichtsrat wird sehr selten rebellieren. Aber in den
meisten Fällen wird ein Affe eher ein Stück von Shakespeare
aufsagen, als daß ein „unabhängiger“ Aufsichtsrat eines
Investmentfonds vorschlagen wird, daß sein Fonds nach anderen
Managern suchen sollte, selbst wenn der amtierende Manager beharrlich
unterdurchschnittliche Ergebnisse geliefert hat. Wenn es um ihr eigenes
Geld geht, werden Aufsichtsräte natürlich nach anderen
Beratern suchen - aber das käme ihnen niemals in den Sinn, wenn
sie als Treuhänder für andere handeln.
Die Scheinheiligkeit, die
das System durchdrungen hat, wird plastisch dargestellt, wenn eine
Investmentgesellschaft - nennen wir sie „A“ - für eine große
Summe an Manager „B“ verkauft wird. Jetzt machen die
„unabhängigen“ Aufsichtsräte einen völligen Sinneswandel
durch und entscheiden, daß Manager B der beste ist, den es gibt -
obwohl B schon in früheren Jahren verfügbar war (und
ignoriert wurde). Nicht so zufällig hätte B auch früher
eingestellt werden können, und zwar für ein weit geringeres
Gehalt als es jetzt möglich ist, da er Manager A gekauft hat. Das
liegt daran, weil B ein Vermögen ausgegeben hat, um A zu kaufen,
und B muß diese Kosten nun wieder durch Gebühren
hereinbekommen, die von den Aktionären von A, die als Teil des
Deals „übertragen“ wurden, bezahlt werden (für eine
hervorragende Erörterung der Mutual-Fund Branche sollten Sie John
Bogles Common Sense on Mutual Funds lesen).
Vor ein paar Jahren wurde
meiner Tochter angeboten, Aufsichtsrat einer Fondsfamilie zu werden,
die von einer bedeutenden Institution gemanagt wurde. Das Gehalt, das
sie als Aufsichtsrat bezogen hätte, wäre sehr
beträchtlich gewesen, genug um ihr Jahreseinkommen um 50 % zu
steigern (sie kann Ihnen sagen, sie hätte diese Erhöhung
gebrauchen können!). Rechtlich wäre sie ein unabhängiger
Aufsichtsrat gewesen. Aber hat der Fondsmanager, der sie angeworben
hat, gedacht, es gäbe irgendeine Möglichkeit, daß sie
unabhängig denken würde, etwa welchen Berater der Fonds
beschäftigen sollte? Natürlich nicht. Ich bin stolz, sagen zu
können, daß sie wirkliche Unabhängigkeit zeigte, und
das Angebot ablehnte. Der Fonds jedoch hatte keine Probleme, die
Lücke zu füllen (und - Überraschung - der Fonds hat die
Manager nicht ausgetauscht).
Die Aufsichtsräte von
Investmentgesellschaften sind beim Aushandeln von
Managementgebühren ebenso gescheitert (genau so wie die
Gehaltsausschüsse vieler amerikanischer Unternehmen damit
gescheitert sind, die Gehälter ihrer Vorstände auf sensiblen
Niveaus zu halten). Wenn Sie oder ich ermächtigt wären, kann
ich Ihnen versichern, daß wir einfach grundlegend niedrigere
Managementvergütungen mit den amtierenden Managern der meisten
Investmentfonds aushandeln könnten. Und, glauben Sie mir, wenn
Aufsichtsräten ein Anteil an den eingesparten Gehältern, die
sie realisieren, versprochen würde, wäre der Himmel mit
fallenden Gehältern gefüllt. Unter dem aktuellen System
jedoch bedeuten Kürzungen „unabhängigen“ Aufsichtsräten
nichts, während sie Managern alles bedeuten. Raten Sie mal, wer
gewinnt.
Natürlich ist es
für einen Fonds viel wichtiger, den richtigen Manager zu haben,
als sein Gehalt zu reduzieren. Nichtsdestotrotz sind beide
Maßnahmen Aufgaben des Aufsichtsrates. Und beim Anstieg auf diese
wichtigen Aufgaben sind Zehntausende von „unabhängigen“
Aufsichtsräte über mehr als sechs Jahrzehnte erbärmlich
gescheitert (sie waren jedoch darin erfolgreich, sich um sich selbst zu
kümmern; ihre Gehälter aus mehreren Aufsichtsräten bei
derselben Fondsfamilie sind oftmals sechsstellig).
Wenn sich der Manager stark
engagiert und die Aufsichtsräte nicht, wird ein kraftvolles
Gegengewicht benötigt - und das ist das, was in der heutigen
Corporate Governance fehlt. Um mittelmäßige Vorstände
loszuwerden und Auswüchse zu eliminieren, braucht man
Aktivitäten der Eigentümer - großer Eigentümer.
Die Logistik ist nicht so schwer: Das Eigentum an Aktien hat sich in
den zurückliegenden Jahrzehnten zunehmend konzentriert, und heute
wäre es für institutionelle Manager leicht, in
Problemsituationen ihren Willen durchsetzen. Wenn zwanzig, oder sogar
weniger, der größten Institutionen zusammen arbeiten,
könnten sie die Corporate Governance bei einer bestimmten
Gesellschaft effektiv reformieren, indem sie ihre Stimmen
Aufsichtsräten vorenthalten, die abscheuliches Verhalten toleriert
haben. Meiner Meinung nach ist diese Art einer konzertierten Aktion der
einzige Weg, der Verantwortung für ein Unternehmen bedeutend
verbessern kann.
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