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Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 2002 - Teil 12

Unglücklicherweise haben bestimmte große institutionelle Investoren „Glashaus“-Probleme, wenn sie woanders für bessere Regeln argumentieren; sie würden zum Beispiel beim Gedanken erschauern, ihre eigene Performance und Gehälter würden von ihren eigenen Organen genau untersucht. Aber Jack Bogle von Vanguard fame, Chris Davis von Davis Advisors und Bill Miller von Legg Mason gehen jetzt damit voran, Vorstände dazu zu bekommen, ihre Eigentümer angemessen zu behandeln. Pensionsfonds werden ebenso wie andere Treuhänder zukünftig bessere Investmenterträge ernten, wenn sie diese Männer unterstützen.

Die echte Prüfung für die Reform wird die Bezahlung der Vorstände sein. Manager werden vielfältigen Vorschlägen fröhlich zustimmen, SEC-Formulare bezeugen und bedeutungslose Vorschläge den Prozeß betreffend übernehmen. Was viele jedoch bekämpfen werden, ist ein genauer Blick auf ihre eigene Bezahlung und Vergünstigungen.

In den vergangenen Jahren sind Gehaltsausschüsse zu oft schwanzwedelnden Welpen gleich kleinlaut Empfehlungen von Beratern gefolgt, eine Rasse, die nicht gerade für Loyalität mit dem gesichtslosen Aktionär, der ihr Honorar zahlt, bekannt ist (wenn Sie nicht wissen, auf wessen Seite jemand steht, steht er nicht auf Ihrer). Es ist wahr, daß die SEC von jedem Ausschuß verlangt, seine Begründung bezüglich der Bezahlung im Aktionärsbrief darzustellen. Aber die Aussagen sind üblicherweise von Juristen der Gesellschaft oder der Personalabteilung geschriebene Textbausteine.

Das kostenträchtige Affentheater sollte aufhören. Aufsichtsräte sollten Gehaltsausschüssen nicht angehören, außer sie sind selbst in der Lage, im Interesse der Eigentümer zu verhandeln. Sie sollten sowohl erklären, wie sie über Bezahlung denken, als auch wie sie Performance messen. Zusätzlich sollten sie mit dem Geld der Aktionäre umgehen, als wäre es ihr eigenes.

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts beschrieb Samuel Gompers das Ziel organisierter Arbeit als „Mehr!“. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts übernahmen Amerikas Vorstände seinen Kampfschrei. Das Ergebnis sieht so aus, daß Vorstände oft Reichtümer angehäuft haben, während ihre Aktionäre finanzielle Desaster erlebt haben.

Aufsichtsräte sollten eine solche Piraterie stoppen. Es ist nichts verkehrt daran, für außergewöhnliche Performance gut zu bezahlen. Aber es ist Zeit für Aufsichtsräte, für alles, was darunter liegt, „weniger!“ zu rufen. Es wäre eine Travestie, wenn die aufgeblähte Bezahlung früherer Jahre die Grundlage für zukünftige Vergütungen bilden würde. Gehaltsausschüsse sollten zum Zeichenbrett zurückgehen

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Regeln, die bereits beschlossen sind, und die fast sicher auch Gesetz werden, erfordern Änderungen im Aufsichtsrat von Berkshire und verpflichten uns, Mitglieder aufzunehmen, die die Anforderungen des Codes an „Unabhängigkeit“ erfüllen. Wenn wir das machen, werden wir einen Test hinzufügen, von dem wir glauben, daß er wichtig, aber noch lange nicht endgültig ist, um Unabhängigkeit zu fördern: Wir werden Mitglieder wählen, die große und echte Eigentümerinteressen haben (das sind Aktien, die sie oder ihre Familie erworben haben und nicht von Berkshire oder über Optionen bekommen haben), und erwarten, daß diese Interessen ihre Handlungen bis zu einem Grad beeinflussen, der andere Überlegungen wie Ansehen oder Aufsichtsratsvergütungen in den Schatten stellt.

Dies führt zu einem oft übersehenen Punkt über die Bezahlung von Aufsichtsräten, die bei Publikumsgesellschaften durchschnittlich vielleicht $ 50.000 im Jahr beträgt. Es verblüfft mich, wie die vielen Mitglieder, für die diese Dollar vielleicht 20 % oder mehr ihres Jahreseinkommens darstellen, als unabhängig bezeichnet werden können, wenn Ron Olson zum Beispiel, der in unserem Aufsichtsrat sitzt, als nicht unabhängig bezeichnet werden kann, weil ein kleiner Prozentsatz seines sehr großen Einkommens Anwaltsgebühren von Berkshire darstellen. Wie es die Saga der Investmentgesellschaften suggeriert, ist es sehr unwahrscheinlich, daß ein Direktor, dessen moderates Einkommen sehr abhängig von seinen Gehaltszahlungen ist - und der mächtig hofft, in andere Aufsichtsräte gewählt zu werden, um mehr Geld zu verdienen - einen CEO oder befreundeten Aufsichtsrat angreifen wird, der zu einem großen Teil seinen Ruf in Unternehmenskreisen bestimmen wird. Wenn Aufseher glauben, daß „hohe“ Gehaltszahlungen die Unabhängigkeit verderben (und das kann sicherlich passieren), haben sie eine große Gruppe möglicher Täter übersehen.

Bei Berkshire zahlen wir unseren Aufsichtsräten nur einen Hungerlohn, weil wir möchten, daß unsere Gehälter für sie bedeutungslos sind. Weiterhin schließen wir keine D&O-Versicherungen für sie ab, da wir unsere Aufsichtsräte nicht von irgendeinem möglichen Desaster der Gesellschaft isolieren wollen (eine unorthodoxe Maßnahme, die, nicht ganz nebensächlich, unseren Aktionären über die Jahre viele Millionen von Dollar gespart hat). Im Grunde wollen wir, daß das Verhalten unserer Aufsichtsräte von dem Effekt bestimmt wird, den ihre Entscheidungen auf das Vermögen ihrer Familie haben, und nicht von ihrer Vergütung. Das gleiche gilt für Charlie und mich als Manager, und wir denken, es ist auch das Richtige für Berkshires Aufsichtsräte.

Um neue Aufsichtsräte zu finden, gehen wir die Liste unserer Aktionäre nach Menschen durch, die direkt oder in ihrer Familie seit langer Zeit große Bestände in Berkshire - Millionen von Dollar - halten. Personen, auf die das zutrifft, bestehen zwei unserer Tests, nämlich daß sie ein Interesse an Berkshire haben und aktionärsorientiert sind. In unserem dritten Test interessieren wir uns, ob sie etwas von Business verstehen - eine Kompetenz, die alles andere als üblich ist.

Schließlich werden wir auch weiterhin Mitglieder der Familie Buffett im Aufsichtsrat haben. Sie sind weder dort, um die Geschäfte nach meinem Tod weiterzuführen, noch erhalten Sie dann eine Zuwendung irgendwelcher Art. Ihre Absicht ist es, sowohl für unsere Aktionäre als auch für unsere Manager sicherzustellen, daß Berkshires spezielle Kultur weiterhin gehegt wird, wenn mir ein anderer CEO nachfolgt.

Jede Änderung in der Vergütung unseres Aufsichtsrates wird nicht den Stil verändern, in dem Charlie und ich Berkshire führen. Wir werden weiterhin mehr Wert auf Substanz denn auf Schemata in unser Arbeit legen und so wenig Zeit wie möglich in Sitzungen mit Zeigen-und-Erzählen und oberflächlichen Aktivitäten verschwenden. Die wichtigste Aufgabe unseres Aufsichtsrates ist wahrscheinlich die Auswahl von Nachfolgern für Charlie und mich, und das ist ein Punkt, auf den sich alle fokussieren.

Der Aufsichtsrat, den wir bis jetzt hatten, hat ein aktionärsorientiertes Unternehmen beaufsichtigt, das in Übereinstimmung mit dem wirtschaftlichen Grundsätzen, die auf den Seiten 68-74 abgedruckt sind, geführt wird. Ich fordere alle neuen Aktionäre dazu auf, sie zu lesen. Unser Ziel ist es, neue Aufsichtsräte zu gewinnen, die sich diesen Grundsätzen verpflichtet fühlen.

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