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Unglücklicherweise haben bestimmte
große institutionelle Investoren „Glashaus“-Probleme, wenn sie
woanders für bessere Regeln argumentieren; sie würden zum
Beispiel beim Gedanken erschauern, ihre eigene Performance und
Gehälter würden von ihren eigenen Organen genau untersucht.
Aber Jack Bogle von Vanguard fame, Chris Davis von Davis Advisors und
Bill Miller von Legg Mason gehen jetzt damit voran, Vorstände dazu
zu bekommen, ihre Eigentümer angemessen zu behandeln.
Pensionsfonds werden ebenso wie andere Treuhänder zukünftig
bessere Investmenterträge ernten, wenn sie diese Männer
unterstützen.
Die echte Prüfung für die
Reform wird die Bezahlung der
Vorstände sein. Manager werden vielfältigen Vorschlägen
fröhlich zustimmen, SEC-Formulare bezeugen und bedeutungslose
Vorschläge den Prozeß betreffend übernehmen. Was viele
jedoch bekämpfen werden, ist ein genauer Blick auf ihre eigene
Bezahlung und Vergünstigungen.
In den vergangenen Jahren sind
Gehaltsausschüsse zu oft
schwanzwedelnden Welpen gleich kleinlaut Empfehlungen von Beratern
gefolgt, eine Rasse, die nicht gerade für Loyalität mit dem
gesichtslosen Aktionär, der ihr Honorar zahlt, bekannt ist (wenn
Sie nicht wissen, auf wessen Seite jemand steht, steht er nicht auf
Ihrer). Es ist wahr, daß die SEC von jedem Ausschuß
verlangt, seine Begründung bezüglich der Bezahlung im
Aktionärsbrief darzustellen. Aber die Aussagen sind
üblicherweise von Juristen der Gesellschaft oder der
Personalabteilung geschriebene Textbausteine.
Das kostenträchtige Affentheater
sollte aufhören.
Aufsichtsräte sollten Gehaltsausschüssen nicht
angehören, außer sie sind selbst in der Lage, im Interesse
der Eigentümer zu verhandeln. Sie sollten sowohl erklären,
wie sie über Bezahlung denken, als auch wie sie Performance
messen. Zusätzlich sollten sie mit dem Geld der Aktionäre
umgehen, als wäre es ihr eigenes.
In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts
beschrieb Samuel Gompers das
Ziel organisierter Arbeit als „Mehr!“. In den 90er Jahren des 20.
Jahrhunderts übernahmen Amerikas Vorstände seinen
Kampfschrei. Das Ergebnis sieht so aus, daß Vorstände oft
Reichtümer angehäuft haben, während ihre Aktionäre
finanzielle Desaster erlebt haben.
Aufsichtsräte sollten eine solche
Piraterie stoppen. Es ist nichts
verkehrt daran, für außergewöhnliche Performance gut zu
bezahlen. Aber es ist Zeit für Aufsichtsräte, für alles,
was darunter liegt, „weniger!“ zu rufen. Es wäre eine Travestie,
wenn die aufgeblähte Bezahlung früherer Jahre die Grundlage
für zukünftige Vergütungen bilden würde.
Gehaltsausschüsse sollten zum Zeichenbrett zurückgehen
* * * * *
Regeln, die bereits beschlossen sind, und
die fast sicher auch Gesetz
werden, erfordern Änderungen im Aufsichtsrat von Berkshire und
verpflichten uns, Mitglieder aufzunehmen, die die Anforderungen des
Codes an „Unabhängigkeit“ erfüllen. Wenn wir das machen,
werden wir einen Test hinzufügen, von dem wir glauben, daß
er wichtig, aber noch lange nicht endgültig ist, um
Unabhängigkeit zu fördern: Wir werden Mitglieder wählen,
die große und echte Eigentümerinteressen haben (das sind
Aktien, die sie oder ihre Familie erworben haben und nicht von
Berkshire oder über Optionen bekommen haben), und erwarten,
daß diese Interessen ihre Handlungen bis zu einem Grad
beeinflussen, der andere Überlegungen wie Ansehen oder
Aufsichtsratsvergütungen in den Schatten stellt.
Dies führt zu einem oft
übersehenen Punkt über die
Bezahlung von Aufsichtsräten, die bei Publikumsgesellschaften
durchschnittlich vielleicht $ 50.000 im Jahr beträgt. Es
verblüfft mich, wie die vielen Mitglieder, für die diese
Dollar vielleicht 20 % oder mehr ihres Jahreseinkommens darstellen, als
unabhängig bezeichnet werden können, wenn Ron Olson zum
Beispiel, der in unserem Aufsichtsrat sitzt, als nicht unabhängig
bezeichnet werden kann, weil ein kleiner Prozentsatz seines sehr
großen Einkommens Anwaltsgebühren von Berkshire darstellen.
Wie es die Saga der Investmentgesellschaften suggeriert, ist es sehr
unwahrscheinlich, daß ein Direktor, dessen moderates Einkommen
sehr abhängig von seinen Gehaltszahlungen ist - und der
mächtig hofft, in andere Aufsichtsräte gewählt zu
werden, um mehr Geld zu verdienen - einen CEO oder befreundeten
Aufsichtsrat angreifen wird, der zu einem großen Teil seinen Ruf
in Unternehmenskreisen bestimmen wird. Wenn Aufseher glauben, daß
„hohe“ Gehaltszahlungen die Unabhängigkeit verderben (und das kann
sicherlich passieren), haben sie eine große Gruppe möglicher
Täter übersehen.
Bei Berkshire zahlen wir unseren
Aufsichtsräten nur einen
Hungerlohn, weil wir möchten, daß unsere Gehälter
für sie bedeutungslos sind. Weiterhin schließen wir keine
D&O-Versicherungen für sie ab, da wir unsere
Aufsichtsräte nicht von irgendeinem möglichen Desaster der
Gesellschaft isolieren wollen (eine unorthodoxe Maßnahme, die,
nicht ganz nebensächlich, unseren Aktionären über die
Jahre viele Millionen von Dollar gespart hat). Im Grunde wollen wir,
daß das Verhalten unserer Aufsichtsräte von dem Effekt
bestimmt wird, den ihre Entscheidungen auf das Vermögen ihrer
Familie haben, und nicht von ihrer Vergütung. Das gleiche gilt
für Charlie und mich als Manager, und wir denken, es ist auch das
Richtige für Berkshires Aufsichtsräte.
Um neue Aufsichtsräte zu finden,
gehen wir die Liste unserer
Aktionäre nach Menschen durch, die direkt oder in ihrer Familie
seit langer Zeit große Bestände in Berkshire - Millionen von
Dollar - halten. Personen, auf die das zutrifft, bestehen zwei unserer
Tests, nämlich daß sie ein Interesse an Berkshire haben und
aktionärsorientiert sind. In unserem dritten Test interessieren
wir uns, ob sie etwas von Business verstehen - eine Kompetenz, die
alles andere als üblich ist.
Schließlich werden wir auch
weiterhin Mitglieder der Familie
Buffett im Aufsichtsrat haben. Sie sind weder dort, um die
Geschäfte nach meinem Tod weiterzuführen, noch erhalten Sie
dann eine Zuwendung irgendwelcher Art. Ihre Absicht ist es, sowohl
für unsere Aktionäre als auch für unsere Manager
sicherzustellen, daß Berkshires spezielle Kultur weiterhin gehegt
wird, wenn mir ein anderer CEO nachfolgt.
Jede Änderung in der Vergütung
unseres Aufsichtsrates wird
nicht den Stil verändern, in dem Charlie und ich Berkshire
führen. Wir werden weiterhin mehr Wert auf Substanz denn auf
Schemata in unser Arbeit legen und so wenig Zeit wie möglich in
Sitzungen mit Zeigen-und-Erzählen und oberflächlichen
Aktivitäten verschwenden. Die wichtigste Aufgabe unseres
Aufsichtsrates ist wahrscheinlich die Auswahl von Nachfolgern für
Charlie und mich, und das ist ein Punkt, auf den sich alle fokussieren.
Der Aufsichtsrat, den wir bis jetzt
hatten, hat ein
aktionärsorientiertes Unternehmen beaufsichtigt, das in
Übereinstimmung mit dem wirtschaftlichen Grundsätzen, die auf
den Seiten 68-74 abgedruckt sind, geführt wird. Ich fordere alle
neuen Aktionäre dazu auf, sie zu lesen. Unser Ziel ist es, neue
Aufsichtsräte zu gewinnen, die sich diesen Grundsätzen
verpflichtet fühlen.
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