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Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 2002 - Teil 14

Der grundlegende Vorteil unserer vier Fragen ist, daß sie vorbeugend wirken. Wenn die Wirtschaftsprüfer erst einmal wissen, daß der Buchprüfungs-Ausschuß sie auffordert, Handlungen des Managements positiv zu bestätigen, statt sie lediglich hinzunehmen, werden sie Untaten bereits früh im Prozeß widerstehen, lange bevor fadenscheinige Zahlen fester Bestandteil der Bücher des Unternehmens werden. Angst vor den Anwälten des Klägers wird dafür sorgen.

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Die Chicago Tribune brachte im letzten September eine vierteilige Serie über Arthur Andersen, die hervorragend illustrierte, wie Bilanzierungsstandards und die Qualität von Wirtschaftsprüfern in den letzten Jahren ausgehöhlt wurden. Vor ein paar Jahrzehnten war die Meinung eines Arthur Andersen Prüfers der Goldstandard der Berufsgruppe. Innerhalb der Firma bestand eine elitäre Professional Standards Group (PSG) auf ehrlicher Berichterstattung, egal welchen Druck es durch den Kunden gab. An diesen Prinzipien festhaltend, bezog die PSG 1992 Stellung, daß die Kosten von Aktienoptionen als Aufwand ausgewiesen werden sollten, was sie ja auch klar sind. Die Position der PSG wurde jedoch von den „einflußreichen“ Partnern von Andersen umgekehrt, die wußten, was ihre Kunden wollten - höhere ausgewiesene Gewinne ohne Rücksicht auf die Realität. Viele Vorstände bekämpften den Ausweis als Aufwand auch deswegen, weil sie wußten, daß die obszöne Gewährung von großen Mengen Optionen, nach denen sie sich sehnten, gestrichen würden, wenn deren Kosten hätten aufgeführt werden müssen.

Kurz nach der Umkehrung durch Andersen stimmte das Unabhängige Gremium für Bilanzierungsstandards (FASB) mit 7 zu 0 für die Ausweisung von Optionen als Aufwand. Es war vorhersehbar, daß die bedeutenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und eine Armee von Vorständen Washington bestürmten, um den Senat unter Druck zu setzen - welche Institution könnte besser über Fragen der Bilanzierung befinden? - um das FASB zu kastrieren. Die Stimmen der Protestler wurden durch große politische Zuwendungen verstärkt, die üblicherweise mit dem Geld der Gesellschaften bezahlt wurden, das nur den Eigentümern gehörte, die übers Ohr gehauen werden sollten. Das war keine Sternstunde einer zivilisierten Klasse.

Zu seiner Schande stimmte der Senat mit 88 zu 9 gegen den Ausweis. Mehrere prominente Senatoren riefen sogar nach der Auflösung des FASB, wenn es seine Position nicht ändern würde (soviel zum Thema Unabhängigkeit). Arthur Levitt jr., damals Vorsitzender der SEC - und allgemein ein umsichtiger Kämpfer für Aktionäre - hat inzwischen sein widerwilliges Nachgeben dem Druck des Kongresses und der Unternehmen als den Akt seiner Amtszeit beschrieben, den er am meisten bedauert (die Einzelheiten dieser schmutzigen Affäre werden in Levitts aufgezeichnetem Buch Take on the Street dargestellt).

Mit dem Senat in der Tasche und einer besiegten SEC, wußte die Amerika AG, daß sie nun das Sagen hatte, als es um Bilanzierung ging. Hiermit wurde ein neues Zeitalter von Alles-ist-möglich Berichterstattung - abgesegnet und teilweise gefördert von sehr bekannten Wirtschaftsprüfern - eingeläutet. Das zügellose Verhalten, das schnell folgte, wurde zu einer Luftpumpe für die große Blase.

Nachdem es vom Senat bedroht war, drehte das FASB seine ursprüngliche Position um 180 Grad und übernahm die Einführung eines „Ehrensystems“, in dem erklärt wurde, daß der Ausweis bevorzugt würde, das aber auch den Gesellschaften erlaubte, die Kosten zu ignorieren, wenn sie das wünschten. Das entmutigende Ergebnis: Von den 500 Gesellschaften aus dem S&P übernahmen 498 die weniger wünschenswerte Methode, was sie natürlich höhere „Gewinne“ ausweisen ließ. Bezahlungshungrige Vorstände liebten dieses Ergebnis: Laß das FASB die Ehre haben, sie hatten ihr System.

In unserem Geschäftsbericht 1992 diskutieren wir die ungehörige Selbstbedienungsmentalität so vieler Vorstände. Ich schrieb: „Die Business-Elite riskiert den Verlust ihrer Glaubwürdigkeit bei Themen, die wichtig für die ganze Gesellschaft sind - worüber sie vieles Wichtige zu sagen hätte - wenn sie in Dingen, die für sie selbst wichtig sind, unglaubwürdige Positionen vertreten.

Der Verlust der Glaubwürdigkeit ist eingetreten. Die Aufgabe der Vorstände ist es jetzt, Amerikas Vertrauen wieder zu gewinnen - und um des Landes willen ist es wichtig, daß sie dies auch tun. Sie werden jedoch in diesem Bemühen keinen Erfolg haben, wenn es bei einfältigen Inseraten, bedeutungslosen Grundsatzstatements oder strukturellen Änderungen von Aufsichtsräten und Ausschüssen bleibt. Statt dessen müssen Vorstände Verantwortung als eine Lebensart begreifen und ihre Eigentümer wie Partner behandeln, nicht wie Einfaltspinsel. Für die Vorstände ist es Zeit, diesen Weg zu gehen.

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