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Liegt Inflation in unserer Zukunft?

27.April 2009 | Kategorie: Wirtschaft

In Teil I einer aktuellen Analyse zum Thema Geldpolitik und Inflation beschäftigte sich die Investmentgesellschaft Century Management mit der derzeitigen Ausweitung der US-Notenbank Bilanzsumme und erklärte darin insbesondere die Bedeutung der Geldumlaufgeschwindigkeit, welche im 4. Quartal 2008 drastisch zurückgegangen ist. Im zweiten Teil gehen die Century Management Analysten der Frage nach, was passiert, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes plötzlich wieder ansteigt.

Dies würde nach Aussage von Century Management eindeutig Inflationsdruck nach sich ziehen. Die Analysten sehen aber mehrere Gründe, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass dies bereits heute geschieht und vertreten damit einen anderen Standpunkt, als z.B. David Dreman oder Warren Buffett. Als erstes Argument führen sie an, dass viele Banken in einem schlechten Zustand sind und somit sämtliche Barmittel, die sie erhalten, als Rücklage für etwaige Verluste verwenden, die ihnen entstehen können, wenn die Preise für Vermögenswerte weiter fallen sollten. Darüber hinaus wollen die Banken zu den bereits entstandenen Verlusten nicht noch größere finanzielle Schäden erleiden, sodass sie ihre Kredit-Standards anheben. Und zu guter Letzt sind auch prinzipiell kreditwürdige Menschen möglicherweise nicht mehr bereit neue Kredite aufzunehmen, da sie befürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren beziehungsweise abwarten, ob sich die Konditionen für Kredite noch weiter verbessern.

Zwar wird die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes schließlich wieder ansteigen. Century Management vertritt jedoch die Auffassung, dass dies ein langwieriger Prozess ist, da im Voraus zu viele faule Kredite aufgearbeitet werden müssen. Die Rückführung des Fremdkapitalisierungsgrades wird vielleicht sogar mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Sobald dies geschieht, wird die Notenbank ihre derzeit aufgebauten Vermögenswerte nach Aussage der Analysten nach und nach veräußern, um die monetäre Basis wieder zu verringern. Selbst ohne besondere Maßnahmen würden die Vermögenswerte im Laufe der Zeit aus der Bilanz der Notenbank verschwinden. Beispielsweise ist im Januar die monetäre Basis gesunken, da einige Geldmarktpapiere fällig wurden. Die Analysten räumen aber ein, dass das Aufkommen von Inflation während der wirtschaftlichen Erholung wahrscheinlich ist, da die Notenbank eher zur Inflation, als zur Deflation neigt. Das Szenario einer Hyperinflation erscheint aus heutiger Sicht aber unwahrscheinlich und wird von Century Management nur als geringe Möglichkeit gesehen.

So ist es für die Analysten wichtig zu verstehen, was die Notenbank derzeit unternimmt. Nach deren Einschätzung weitet diese lediglich die Kreditvergabe aus und beschäftigt sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mit Gelddrucken. Während die meisten Menschen die quantitative Lockerung der Geldpolitik mit dem Synonym des Gelddruckens verbinden, führt die derzeitige Notenbankpolitik tatsächlich in erster Linie zu einer Erhöhung der Kreditvergabe an das Bankensystem, wodurch das Geld wiederum an Kreditnehmer und Anleger weitergegeben wird. Im Ergebnis führt dies zu einer Vergrößerung der monetären Basis (z.B. der Geldmenge).

Die Century Management Analyse führt aus, dass der Handel in unserem Wirtschaftssystem mit Krediten betrieben und nur ein kleiner Teil der Geschäfte mit tatsächlich vorhandenem Geld getätigt wird. So borgen sich Unternehmen Geldmittel gegen ihre zukünftigen Einnahmen, um hiervon Inventar zu kaufen, Löhne zu begleichen oder ihre Expansion zu finanzieren. Im Gegensatz zur deutschen Hyperinflation in den 1920er Jahren, in der die physikalische Währung wirklich gedruckt wurde, können die heute durch die Notenbank geschaffenen Kredite jederzeit wieder zurückgezogen werden. Wird dagegen Geld gedruckt, ist es nahezu ausgeschlossen, dieses aus dem System wieder zu entfernen. Die unvermeidliche Folge wäre Inflation.

Wenn die Notenbank an einem gewissen Punkt allerdings nicht die Geldmenge verringert, z.B. durch eine reduzierte Kreditvergabe oder durch eine Anhebung der Zinsen, wäre Inflation die Folge.

Ein Kommentar to “Liegt Inflation in unserer Zukunft?”
  1. Jens schreibt:
    19th.Juni 2009 um 14:18

    Hoffen wir das Banken, Staat und Wirtschaft konzertiert und konzentriert daran arbeiten. Eine Inflation wäre in der momentanen Lage ein Katastrophe. Aber ich denke, das wird nicht die letzte globale Härteprobe gewesen sein. Es muss sich noch viel finden.

Kommentare

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