Alternative Investments: Hedgefonds

Nachdem traditionellen Aktien- und Anleiheninvestments keine adäquaten Renditen mehr zugetraut werden, wenden sich Investoren sogenannten „Alternativen Investments“ zu. Dazu gehören Hedgefonds, Private Equity, Risikokapital, Real Estate (Immobilien), die Emerging Markets und neuerdings auch Rohstoffe. In den „alten“ Tagen – damit ist die Zeit vor dem Jahr 2000 gemeint – forderten Investoren von Alternativen Investments grundsätzlich signifikant höhere Renditen, um das mit diesen Kapitalanlagen verbundene höhere Risiko zu rechtfertigen.

Hedgefonds existieren bereits seit Jahrzehnten. Dennoch war die Menge an Kapital, das von dieser Anlageklasse angezogen wurde, für lange Zeit noch relativ unbedeutend. Während traditionelle Aktieninvestments – gemessen anhand des S&P 500 Aktienindex – historische Renditen zwischen 9 und 11% im Jahr erzielten, suchten Hedgefonds Investoren nach Renditen in einer Größenordnung von 20% p.A. und mehr. Diese Mehrrendite wurde von den Hedgefonds Investoren als Risikoausgleich für die mit ihrem Investment verbundene Intransparenz und Illiquidität gefordert. Darüber hinaus gehen Hedgefonds Risiken ein, indem sie ihre Eigenkapitalrentabilität durch den Einsatz von Fremdkapital hebeln. Einige Hedgefondsmanager, wie beispielsweise George Soros oder Julian Robertson, erreichten die genannten Wertsteigerungen über eine bestimmte Anzahl von Jahren. Dessenungeachtet waren in den frühen Jahren die in Hedgefonds investierten Beträge mit schätzungsweise einigen zehn Milliarden Dollar, im Vergleich zu mehr als einer Billion Dollar heute, gering.

Das Geldeinsammeln für Alternative Investments war nicht leicht, da unter den Anlegern eine Aversion gegen neue und damit noch unbewiesene Investmentformen bestand. Hedgefonds waren ursprünglich das Investmentreich wohlhabender Einzelpersonen, die sich das Risiko leisten konnten, einen kleinen Anteil ihrer Vermögenswerte in risikoreichere Investmentvehikel zu investieren. So war der Hedgefondsmarkt eher ein Käufermarkt, in dem Anleger nicht darum betteln mussten in Hedgefonds investieren zu dürfen. Dadurch waren sie in der Lage, für sie vorteilhafte Bedingungen in Bezug auf Gebühren oder vereinbartem Anlagezeitraum auszuhandeln.

Nachdem sich aufgrund der Erfahrung des Bärenmarktes von 2000 bis 2002 die erwartete Rendite aus traditionellen Investments verringerte, begann eine Menge Kapital in Richtung Hedgefonds zu fließen. Dadurch hat sich die Natur von Hedgefonds verändert.

Viele der neuen Anleger erwarten nicht mehr Renditen von jährlich 20%. In einem Umfeld, in dem traditionelle Aktieninvestments schätzungsweise magere 5 bis 7% Rendite im Jahr bringen, sind Investoren glücklich, mit Hedgefonds zwischen 9 und 11% erzielen zu können. Investoren benötigen keine 20% Rendite im Jahr, wenn sie Jahre mit 20% Verlust vermeiden können. Daher waren sie nun mit 9 bis 11% Rendite, die Hedgefonds nach ihrer Erwartung kontinuierlich liefern, zufrieden.

In der Folge begann die Hedgefonds-Nachfrage das Angebot zu übersteigen, sodass die Investmentbedingungen nun durch die Hedgefondsmanager diktiert werden konnten. Früher beanspruchte der Hedgefondsmanager ungefähr 20% der Gewinne seines Fonds. Wenn beispielsweise ein Hedgefonds 20% Rendite im Jahr erzielt hat, verdiente der Manager 4% und der Anleger 16%. Diese Aufteilung der Gewinne erscheint vernünftig, wenn man bedenkt, dass mit traditionellen Investments im Schnitt rund 10% zu verdienen war.

Mit der steigenden Nachfrage nach Hedgefonds begannen aber auch die Gebühren anzusteigen. Die Hedgefondsmanager verlangten nun von der erzielten Rendite unabhängige Gebühren von zusätzlich vielleicht 1%. Bei einer theoretischen Rendite von 20%, bedeutet das einen Anstieg des Gewinns der Manager von 4 auf 4,8% (20% minus 1% = 19% mal 20% = 3,8% plus 1% = 4,8%). Für den Anleger verblieben damit immer noch 15,2%.

Allerdings haben sich die von den Hedgefonds erhobenen Gebühren in der Folgezeit noch weiter erhöht. So existieren beispielsweise Hedgefonds, die 25% des erzielten Gewinns und zusätzlich 3% Verwaltungskosten verlangen. In einem theoretischen Jahr mit 20% Rendite bedeutet das nach Abzug der Gewinnbeteiligung für den Anleger eine Rendite von 15%. Nach nochmaligem Abzug von 3% Verwaltungskosten ist der Anleger bereits bei 12% Rendite oder lediglich 60% des Bruttogewinns angekommen.

Falls der vom Hedgefonds erzielte Bruttogewinn aber nur bei 10% liegt, fällt die Mathematik für den Anleger noch ungünstiger aus: 10% minus 25% von 10% = 7,5% abzüglich 3% = 4,5%. Damit entfallen in diesem Beispiel 55% des angenommenen Bruttogewinns von 10% auf das Hedgefondsmanagement.

Damit scheint die Forderung nach Rendite die natürliche Vorsicht der Anleger besiegt zu haben. Investments, die eine solche Gebührenstruktur rechtfertigen, weisen zwangsläufig ein erhöhtes Risiko auf.

Im Value Investing werden signifikant über den Ergebnissen des Aktienmarktes liegende Erträge im Wesentlichen durch eine gute Aktienauswahl sowie der Konzentration auf einige wenige Investments mit überdurchschnittlichen Renditechancen erreicht. Dagegen kann eine gute Aktienauswahl in einem diversifizierten Portfolio zwar bessere Ergebnisse als der Aktienmarkt liefern, das Erzielen der doppelten Marktrendite erscheint mit dieser Strategie allerdings nicht möglich.

Konzentration, also der Besitz von einer geringen Anzahl verschiedener Aktien, produziert die höheren Gewinne, sofern der Investor die Aktien der richtigen Unternehmen ausgewählt hat. Darüber hinaus kann auch der angemessene Einsatz von Fremdkapital die Rendite des Investors erhöhen, solange sich der Markt in die richtige Richtung bewegt. Sofern er aber die falschen Wetten eingeht, können durch Konzentration und Zuhilfenahme von Fremdkapital die Verluste des Anlegers maximiert werden.

Die größte Nachfrage nach Alternativen Investments kam von Institutionen, Stiftungen und Pensionskassen, die nicht in der Lage waren, ihre Verwaltungskosten mit Renditen zwischen 5 und 7% zu begleichen. Darüber hinaus hatten die neuen institutionellen Investoren in Alternativen Investments nicht die gleiche Renditeerwartung von 20%, wie sie früher von vermögenden Einzelpersonen zur Kompensation des erhöhten Risikos gefordert wurde. Aller Voraussicht nach wird diese geringere Renditeerwartung das den Alternativen Investments innewohnende höhere Risiko nicht ausgleichen können. Somit ist bei gleichzeitig zunehmender Toleranz gegenüber dem erhöhten Investmentrisiko alternativer Anlageformen zu beobachten, dass der von den Investoren geforderte Renditeaufschlag abnimmt.

Hedgefonds haben alles andere als vorsichtige Anlagegrundsätze. Sie arbeiten mit den unterschiedlichsten Strategien und lassen den Managern normalerweise einen enormen Entscheidungsspielraum bei der Auswahl ihrer Investments. Der Anleger weiß daher oftmals gar nicht, in welchen Kapitalanlagen der Hedgefonds sein Geld angelegt hat. Daneben wird diese Verschwiegenheit auch von den Managern der Hedgefonds gefordert, damit ihre Investmentstrategien nicht von anderen Investoren kopiert werden können.