Ist der Boden am Aktienmarkt erreicht?

Dieser Fragestellung gehen Whitney Tilson und John Heins in einem aktuellen Aufsatz für das Kiplinger Personal Finance Magazine nach. Dabei legen Sie den Ausgangspunkt für ihre Antwort auf eine Beschreibung des Oaktree Capital Management Vorsitzenden Howard Marks, nach der ein Bärenmarkt in drei Phasen abläuft.

Valueinvesting.de, 11. Januar 2009

In der ersten Phase erkennen nur wenige vorsichtige Investoren, dass der an der Börse immer noch vorherrschende Optimismus in Wirklichkeit unbegründet ist, bevor sich der Aktienmarkt in einer geordneten Art und Weise nach unten bewegt (Phase 2). Erst in der dritten Stufe ist jeder davon überzeugt, dass es nur noch schlimmer kommen kann, die Volatilität steigt und die breite Öffentlichkeit verkauft.

Howard Marks identifizierte den Monat Oktober 2008, in dem der amerikanische Russell 3000 Index – ein Synonym für den gesamten Aktienmarkt – um ganze 18% fiel, als den Punkt, an dem der Markt in seine dritte Phase eingetreten ist. In jenen Tagen sagte er: „Dies bedeutet nicht, dass der Aktienmarkt nicht weiter fallen kann, oder dass ein neuer Bullenmarkt starten wird. Es bedeutet, dass alles Negative auf dem Tisch liegt, Optimismus absolut nicht mehr vorhanden ist und das größere langfristige Risiko möglicherweise darin liegt nicht zu investieren.“

Tatsächlich wird in solchen Marktphasen die Idee, dass sich das Chance-Risiko-Verhältnis zu Gunsten der Investierten, gegenüber denjenigen die nicht investiert sind, verschiebt, durch zahlreiche historische Belege unterstützt. Whitney Tilson und John Heins führen in diesem Zusammenhang eine kürzlich durchgeführte Untersuchung von Ibbotson Associates, einer Morningstar Tochtergesellschaft, an. In dieser wurde über die Zeit die rollierende annualisierte Rendite des Standard & Poor’s 500 Aktienindex berechnet.

Ein Ergebnis dieser Untersuchung war, dass es vor Oktober 2008 nur einen Punkt in der Geschichte gab, das Jahr 1938, an dem der S&P 500 im vorhergehenden 10-Jahres-Zeitraum eine kumulierte negative jährliche Rendite ausgewiesen hat. (Anmerkung: Den Oktober 1998 beendete der S&P 500 mit 1.099,54 Punkten. Der Schlussstand im Oktober 2008 lag bei 968,75 Punkten. Im 10-Jahres-Zeitraum ergibt sich daraus ein Minus von 11,9%). Die zweite Aussage lautet, dass der Aktienmarkt, wann immer die 10-Jahres-Rendite sich der 0% Marke annäherte, in den darauffolgenden zehn Jahren drastisch angestiegen ist.

Soweit so gut. Tilson und Heins setzen sich allerdings auch mit dem möglichen Einwand eines Skeptikers auseinander, der auf die derzeitige Situation hinweist, nach der sich die USA seit mehr als 12 Monaten in einer Rezession befinden. Dieser Zeitraum ist bereits länger, als alle bis auf zwei der zehn Rezessionen, die die Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg erlitten haben. Zudem gibt es bereits erhebliche Beweise dafür, dass sich der schlechte Zustand der Wirtschaft im vierten Quartal 2008 noch erheblich beschleunigt hat. Also keine guten Aussichten für das Jahr 2009.

Dagegen gibt es keine Argumente, aber nach Einschätzung von Whitney Tilson und John Heins sollten die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten bei einer heutigen Kaufentscheidung von Aktien nicht die wichtigste Triebkraft sein. Der Grund hierfür besteht darin, dass es sehr schwierig zu beurteilen ist, wie sich die wirtschaftliche Lage tatsächlich auf die Aktienkurse auswirken wird.

Vergleiche Warren Buffetts Gastkommentar für die New York Times: „Ich habe nicht die leiseste Ahnung, ob Aktien in einem Monat oder einem Jahr höher oder niedriger stehen werden, als heute. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Aktienmarkt steigen wird – möglicherweise sogar erheblich – und zwar lange bevor sich die Stimmung verbessert oder die Konjunkturprognosen aufhellen. Wer also auf die Rotkehlchen wartet, wird den Frühling verpassen.“

Den kompletten Aufsatz mit dem Titel Staying in the Game finden Sie auf Kiplinger.com