Peter Lynch

Bei Peter Lynch handelt es sich um den mittlerweile legendären Ex-Fondsmanager des Fidelity Magellan Fund, der unter seiner Führung im Zeitraum 1977 bis 1990, ausgehend von einem verwalteten Vermögen in Höhe von 20 Millionen Dollar, auf 14 Milliarden Dollar angewachsen ist. Bereits im Jahr 1983, als Peter Lynch gerade einmal sechs Jahre an der Spitze des Fonds stand, erreichte das von Lynch verwaltete Fondsvermögen die 1 Milliarde Dollar Grenze. Insgesamt erzielte Peter Lynch in seiner 13-jährigen Amtszeit eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29% und gehört damit zu den erfolgreichsten professionellen Portfoliomanagern überhaupt.

Neben dem Ruhm, den Peter Lynch als außergewöhnlicher Investor erwarb, ist er als Autor von insgesamt drei Investmentbüchern bekannt, die allesamt zu Bestsellern wurden. Der Fidelity Magellan Fund erzielte sogar noch eine überproportional gute Performance, nachdem er der größte Aktienfonds der Vereinigten Staaten geworden war. Peter Lynch zog sich auf dem Gipfel seiner Karriere im Alter von 46 Jahren zurück. Aufgrund der von ihm geleisteten Vorarbeit übertraf der Fidelity Magellan Fund auch in den kommenden sieben Jahren nach Lynch’s Ausscheiden die Ergebnisse des allgemeinen Aktienmarktes.

Darüber hinaus ist für Value Investoren insbesondere interessant, dass Peter Lynch’s Investmentansatz eine breite Diversifikation (Lynch hielt teilweise bis zu 1.300 verschiedene Aktien) sowie eine ungeheuere Flexibilität beim Aktienkauf zum Inhalt hatte. So kaufe Peter Lynch für seinen Magellan Fund Aktien von Gesellschaften jeder beliebigen Größe und ohne Beachtung von heutzutage oftmals vorgenommenen Einschränkungen wie Value- oder Wachstumsunternehmen.

In seinen Büchern und Kommentaren zeigte sich Peter Lynch stets sehr offen und vernunftsorientiert. Dies kommt unter anderem auch in den von ihm während einer Investmentkonferenz in New York aus dem Jahr 2005 aufgestellten Anlagegrundsätzen zum Ausdruck.

Anlagegrundsätze von Peter Lynch

1. Verstehe was Du besitzt. – Die meisten Menschen wissen nicht wirklich, warum sie eine Aktie kaufen. Den gleichen Investmentansatz verfolgt auch Warren Buffett mit dem Begriff des Persönlichen Kompetenzbereichs oder Benjamin Graham, von dem die Aussage stammt, dass Investieren am erfolgreichsten ist, wenn es am geschäftsmäßigsten betrieben wird.

2. Es ist nutzlos die Konjunktur, das Zinsniveau oder den Aktienmarkt vorherzusagen (also vergeude keine Zeit mit dem Versuch). Lynch-Zitat: „Wenn Sie 13 Minuten im Jahr damit verbringen, die Konjunktur vorherzusagen, haben Sie 10 Minuten verschwendet.“ – Konzentrieren Sie sich auf die aktuellen Fakten und nicht auf die Vorhersage der Zukunft.

3. Du hast jede Menge Zeit, um herausragende Unternehmen zu identifizieren. – Wenn Sie beispielsweise Wal-Mart erst nach zehn Jahren gekauft haben, nachdem sich der Aktienkurs verzehnfacht hat, haben Sie Ihr Kapital in den darauffolgenden 30 Jahren immer noch versechzigfacht. Seien Sie darum niemals in Eile, sehen Sie sich viele Aktien an, aber bleiben Sie geduldig. Warren Buffett drückte dies wie folgt aus: „Warten Sie auf den perfekten Wurf“.

4. Vermeide Vermutungen. – Für den Fall, dass Sie in ein Unternehmen ohne Umsatz aber mit einer vielversprechenden Zukunft investieren möchten, gibt Peter Lynch den Rat, erst einmal nichts zu tun und nur den Namen der betreffenden Gesellschaft aufzuschreiben. Nach sechs oder zwölf Monaten soll man sich dann noch einmal das Unternehmens ansehen und überlegen, ob man es immer noch für gut befindet. Falls es eines von den guten Unternehmen ist und der Aktienkurs in Ihrer Wartezeit von beispielsweise 5 auf 15 gestiegen ist, haben Sie wahrscheinlich immer noch alle Zeit der Welt. Anmerkung: Das Befolgen dieser Regel kann Sie von Problemen fernhalten. In diesem Zusammenhang empfahlen sowohl Benjamin Graham als auch Warren Buffett sich von Spekulation fernzuhalten und stattdessen auf das Investieren zu konzentrieren.

5. Gutes Management ist sehr wichtig. Kaufe großartige Unternehmen. – Ein gutes Management ist eines der wichtigsten Kriterium überhaupt. Gleichzeitig ist es eines der Merkmale, die am schwierigsten zu beurteilen gilt. Daher gibt Peter Lynch den Ratschlag, nur hervorragende Unternehmen zu kaufen. Denn in einem schlechten Geschäft wird vermutlich auch ein gutes Management scheitern. „Kaufe ein Geschäft, das auch ein Dummkopf leiten kann, denn irgendwann wird genau das passieren“. Auch Warren Buffett hat festgestellt, dass bei einem guten Management, das auf ein schlechtes Unternehmen trifft, es allgemein der Ruf des Unternehmens ist, der die Oberhand behält.

6. Sei flexibel. – Eine Menge unerwartete Dinge können passieren, sowohl gute als auch schlechte. Viele seiner besten Investments haben sich bei Peter Lynch aus den „falschen“ Gründen entwickelt. Dies bedeutet, dass seine ursprünglichen Annahmen nicht eintrafen, das Investment aber trotzdem funktionierte. Ein anderes Mal lag Peter Lynch mit seiner Annahme über das Wachstum eines Unternehmens absolut richtig, aber die von ihm gekauften Aktien waren ein schlechtes Investment, mit dem er kein Geld verdiente. Seien Sie daher flexibel und bescheiden.

7. Den richtigen Verkaufszeitpunkt zu kennen ist schwer. – Bevor Sie eine Aktie kaufen, müssen Sie in der Lage sein, Ihre Beweggründe mit Worten und in maximal drei Sätzen zu erklären, sodass ein Elfjähriger es versteht. Merken Sie sich diese Gründe und verkaufen Sie Ihre Aktien, sobald die ursprünglichen Bedingungen nicht mehr länger gültig sind. Erfolgreiches Investieren erfordert kein Genie. Sie benötigen lediglich die Mathematik des 5. Schuljahres. Mathematik hat nichts damit zu tun, ob Sie ein guter Anleger sind.

8. Es gibt immer etwas, worüber man sich Sorgen machen kann. – Und das macht die Dinge interessant! Die 1950er Jahre waren eine der besten Dekaden, um Aktien zu besitzen. Von einem geopolitischen Standpunkt aus betrachtet, fürchtete sich allerdings Jedermann vor dem Ausbruch eines atomaren Krieges. In den frühen 1990er Jahren sorgte sich Jedermann darüber, dass Japan die führende Rolle in der Welt einnehmen und damit Amerika bezwingt wird. So ist es nach Ansicht von Peter Lynch kein Zufall, dass die meisten der schrecklichsten Börsentage aller Zeiten auf einen Montag gefallen sind, da die Menschen das ganze Wochenende Zeit hatten, sich Sorgen zu machen. Lynch gibt den Ratschlag, allen negativen Irrsinn zu vergessen, da der Schlüssel für die erfolgreiche Geldanlage nicht der Intellekt, sondern das Bauchgefühl ist.

10 Mythen bei der Aktienanlage

Ergänzend zu den oben genannten Punkten, hat Peter Lynch 10 von Menschen häufig aufgeführte Falschaussagen und Mißverständnisse über die Aktienanlage zusammengestellt und gab auf der New Yorker Investmentkonferenz auch gleich die Antworten:

1. Wenn die Aktie schon so stark gefallen ist, wie stark kann sie dann noch fallen?

Lynch’s Antwort: Auf Null.

2. Wenn die Aktie schon so hoch gestiegen ist, wie hoch kann sie dann noch steigen?

Lynch’s Antwort: Einige der besten Unternehmen sind über Jahrzehnte gewachsen.

3. Eventuell wird sich die Aktie wieder erholen.

Lynch’s Antwort: Nein, wird sie nicht. Es gibt genügend Gegenbeispiele.

4. Die Aktie kostet nur 3 Dollar. Was kann ich verlieren?

Lynch’s Antwort: 3 Dollar bei jeder Aktie, die Sie kaufen.

5. Vor dem Sonnenaufgang ist es immer am dunkelsten.

Lynch’s Antwort: Es ist ebenfalls am dunkelsten, bevor es absolut schwarz wird. Kaufen Sie niemals ein Unternehmen, nur weil der Aktienkurs gerade gefallen und es dadurch billiger geworden ist.

6. Sobald mein Einstandkurs wieder erreicht ist, werde ich verkaufen.

Lynch’s Antwort: Der Aktie ist nicht bekannt, dass Sie sie besitzen. Nehmen Sie es nicht zu persönlich. Anmerkung: Die Antwort geht in die Richtung der sogenannten Behavioral Finance. Ganz konkret zielt Peter Lynch auf die Aversion vor Verlusten sowie den „Ankereffekt“ ab. Wenn Sie eine Aktie zum Kurs von 10 gemocht haben, sollten Sie sie bei 6 lieben und mehr kaufen oder verkaufen.

7. Wovor soll ich mich fürchten? Konservative Aktien schwanken nicht sehr stark.

Lynch’s Antwort: So etwas wie eine konservative Aktie gibt es nicht. Im Durchschnitt notiert eine Aktie auf ihrem tiefsten Kurs eines Jahres zu etwa 50 bis 70% ihres jeweiligen Höchstkurses. Es gibt einen Friedhof, auf dem alle „konservativen“ Aktien einmal begraben werden. Unternehmen und Geschäfte ändern sich!

8. Schau Dir all diese Verluste an, weil ich nicht gekauft habe.

Lynch’s Antwort: Machen Sie sich wegen einer verpaßten Gelegenheit nicht kaputt, da dies nicht produktiv ist. Während Peter Lynch den Fidelity Magellan Fund managte, besaß er fast niemals auch nur eine einzige der zehn sich am besten entwickelnden Aktien eines Jahres.

9. Ich habe diese Aktie verpaßt. Die nächste werde ich fassen.

Lynch’s Antwort: Arbeite nicht in diese Richtung.

10. Die Aktie steigt, also muss ich richtig liegen oder – Die Aktie ist gefallen, daher liege ich falsch.

Lynch’s Antwort: Technische Analyse ist nicht viel wert. Viele Menschen mögen eine Aktie bei 20 und hassen sie bei 12. Für Peter Lynch ergibt das keinen Sinn.

Peter Lynch’s Investitionsprinzipien basieren, wie die der meisten anderen Superinvestoren, auf gesundem Menschenverstand sowie auf dem Verständnis menschlicher Fehlurteile und Schwächen. Durch seine Grundsätze wird verständlicher, dass die größten Herausforderungen beim Investieren oftmals persönlicher oder psychologischer Natur sind.