Für das Jahr 2025 prognostizierte Ken Fisher ein drittes starkes Aktienjahr in Folge mit globalen Renditen in einer Größenordnung von 20% und mehr (siehe 2025er Ausblick hier und hier), wobei er für europäische Aktien und Value-Aktien eine bessere Entwicklung als für den US-Aktienmarkt erwartete.
Tatsächlich legten globale Aktien nach den von Fisher aktuell veröffentlichten Daten in 2025 um über 21% zu, während der Aktienmarkt in Europa mit etwa 35% fast doppelt so stark angestiegen ist, wie US-Aktien mit rund 18%.
Marktprognose für 2026
Ken Fisher sieht 2026 als weiteres positives Aktienjahr. Dabei dürften die weltweiten Aktienmärkte laut seiner Einschätzung mehr Rendite liefern, als die Mehrheit erwartet, wenngleich das Jahr nicht so stark wird wie 2025.
Laut Fisher ist der Konsens der professionellen Prognostiker über einen Zeitraum von 12 Monaten traditionell unzuverlässig, da er das Bekannte – also sämtliche Informationen, die der Markt ohnehin schon eingepreist hat – bereits widerspiegelt.
So sehen von 72 professionellen Prognosen für den amerikanischen Aktienindex Standard & Poor’s 500 nur vier ein Minus von mehr als 1% in 2026; die meisten Schätzungen konzentrieren sich um den Median von 9,6% Rendite, mit wenigen Pessimisten und kaum extremen Optimisten.

Quelle: Fisher Investments und FactSet
Für den europäischen Aktienmarkt sieht es nach Aussage von Ken Fisher noch düsterer aus. Von 17 Strategen, die Prognosen für den Euro Stoxx 50 abgegeben haben, liegt der Median bei 5,3%, wobei der höchste Wert 10,5% beträgt.
Aus den dargestellten Erwartungen der professionellen Prognostiker leitet Fisher ab, dass die wahrscheinlichste Entwicklung in 2026 entweder ein leicht negatives Jahr oder ein stärkeres Jahr mit +10% und mehr ist. Sein Basisszenario ist ein Plus von über 10% im globalen Durchschnitt, das jedoch unter der typischen Bullenmarkt-Rendite von im Schnitt rund 22% per anno liegt.
Dabei erwartet Ken Fisher aufgrund der ausgeprägten Skepsis für Europa erneut, dass die nicht-US-Märkte besser abschneiden als US-Aktien. Des Weiteren dürften Value-Aktien laut seiner Einschätzung Growth-Aktien übertreffen.
Der Technologie-Sektor werde voraussichtlich „gut, aber nicht führend“ sein. Schließlich bleibe das Marktumfeld in den Vereinigten Staaten solide, aber ohne globale Führungsrolle.
Makrolage und Sentiment
In seinem Aktienmarktausblick für das Jahr 2026 betont Ken Fisher die angenehm steile globale Zinsstrukturkurve als wichtigen Treiber für die Kreditvergabe und das Wachstum. In den USA hat sich das Kreditwachstum gegenüber dem Vorjahr etwa verdoppelt, in der Eurozone liegt es auf dem höchsten Stand seit Anfang 2023.
Fisher argumentiert, dass diese Ausweitung der Kreditvergabe das Wirtschaftswachstum stützt, während viele Ökonomen weiterhin vor Zöllen, Inflation und schwachem Wachstum warnen. Seiner Einschätzung nach sind solche negativen Erwartungen leicht zu übertreffen, was bullisch für den Aktienmarkt ist.
Bezüglich der Anlegerstimmung verweist Ken Fisher auf das bekannte Zitat von John Templeton, nach dem Bullenmärkte aus Pessimismus entstehen, in der Skepsis wachsen, im Optimismus reifen und schließlich in der Euphorie sterben.
Laut Fishers Bewertung befindet sich der Aktienmarkt derzeit noch nicht in der Euphoriephase. Als klaren Hinweis darauf führt er das Fehlen vieler großer Börsengänge (IPOs) an, die jedoch in 2026 mit „Mega-IPOs“ von z.B. SpaceX, Databricks, Anthropic oder Kraken stattfinden könnten und erste Anzeichen von Euphorie darstellen würden.
Zusammenfassung
Das Jahr 2026 dürfte ein Jahr mit gesunder, überdurchschnittlicher Aktienmarkt-Performance, aber unterhalb klassischer Bullenmarkt-Renditen, werden. Ken Fisher sieht kein Anzeichen für eine Überhitzung oder Blasenbildung, sondern einen stabilen, konstruktiven Markt, der von anhaltender Skepsis und noch nicht übertriebenem Optimismus getrieben wird.
Fisher rät, sich von anfänglicher Schwäche oder politisch getriebenen Schwankungen nicht aus dem Markt drängen zu lassen. Wer geduldig investiert bleibt, könnte in diesem weiterlaufenden Bullenmarkt mit einer überdurchschnittlichen, wahrscheinlich zweistelligen Jahresrendite rechnen, auch wenn 2026 schwächer als 2025 ausfallen dürfte.