Glenn Greenberg

Zusammen mit seinem Partner John Shapiro gründete Glenn Greenberg im Jahr 1984 die Investmentgesellschaft Chieftain Capital Management. Im Zeitraum von 1984 bis 2004 erzielte diese eine durchschnittliche jährliche Rendite von 22,5% (vor Managementgebühren), während der amerikanische Aktienindex S&P 500 um durchschnittlich 12,9% p.A. zulegte.

Glenn Greenberg ist Value Investor. Seine Philosophie ist einfach: Man sollte eine Strategie haben, die langfristige Gewinne ermöglicht und niemals versagen wird. Auf das Investieren angewendet bedeutet dies, dass der Anleger keine Strategie verfolgen sollte, durch die sowohl große Gewinne als auch hohe Verluste entstehen können. Daher muss ein Investor eine Anlagestrategie entwickeln, die es ihm erlaubt, langfristig zu gewinnen. Hierfür sind stetige Erträge erforderlich, die vom Investor kontinuierlich und lebenslang re-investiert werden.

Greenberg verfolgt die Idee des konzentrierten Investierens. Seine Gesellschaft wird kein Geschäft eingehen, sofern Greenberg nicht bereit ist, mindestens 5% seiner Kapitalmittel in dieses zu investieren. Außerdem konzentriert sich Chieftain Capital Management auf seine jeweils besten Ideen. Durch diese extreme Konzentration hält Chieftain typischerweise weniger als zehn unterschiedliche Wertpapiere in seinem Investmentportfolio. Die größte Anzahl unterschiedlicher Wertpapiere, die Chieftain bislang besessen hat, ist zwölf. Das Minimum liegt bei sechs verschiedenen Wertpapieren, wobei Chieftain innerhalb dieser Periode über einen Bargeldanteil von 30% verfügte. Die einzelnen Wertpapiere werden von Glenn Greenberg und seinen Mitarbeitern täglich beobachtet und deren Gewichtung nach oben oder unten angepaßt, je nachdem welche Informationen über die Investments vorliegen sowie in Abhängigkeit der Entwicklung ihrer Marktpreise.

Chieftain meidet Aktien von Unternehmen außerhalb der USA, da Greenberg glaubt, Politik und Sprache sowie die Bilanzierungsregeln anderer Länder nicht mit dem selben Maß an Zuversicht verstehen zu können, wie in den Vereinigten Staaten. Nach Greenbergs Ansicht gibt es in den USA genügend Unternehmen, in die Chieftain investieren wird, sobald sich eine günstige Investmentgelegenheit ergibt. Glenn Greenberg hält das traditionelle Research an Wall Street für oberflächlich. Er selbst möchte die wirtschaftlichen Grundlagen der Unternehmen, in die er investiert, wirklich verstehen.

Für Glenn Greenberg macht eine Anlagestrategie nur Sinn, wenn sie den Investor niemals finanziell ruiniert. So muss über einen Zeitraum von 50 Jahren die Strategie eines Anlegers in der Lage sein, alle möglichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu überdauern. Dies ist nach Meinung Greenbergs nur durch den Kauf von guten Unternehmen möglich. Gute Unternehmen sind vernünftigerweise vorhersehbar, haben keine oder nur wenige Wettbewerber, liefern hohe Erträge auf das investierte Kapital, bieten notwendige Produkte oder Dienstleistungen an, verfügen über hohe Gewinnmargen, weisen steigende Erträge auf und unterliegen keinen größeren Veränderungen.

Nachdem ein Anleger eine gute Investmentidee gefunden hat, muss er herausfinden, ob der für die Aktien eines Unternehmens zu zahlende Preis dessen langfristige wirtschaftliche Aussichten rechtfertigt. Greenberg interessiert sich nicht für relative Bewertungen, sondern vertraut ausschließlich auf ein Diskont-Cashflow-Modell.

Praktisch erwirbt Glenn Greenberg durch dieses Vorgehen einen künftigen Zufluß an freien Barmitteln eines Unternehmens. Bei der Wertbestimmung dieses freien Cashflows benutzt Greenberg einen ungewöhnlich hohen Diskontsatz von 14 bis 15% (Quelle: Vortrag an der Columbia Business School vom 28. März 2006). Der Diskontsatz war ursprünglich mit 20% noch höher, wurde aber aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus gesenkt. Ansonsten würde Greenberg unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nur sehr wenige bis gar keine Investments mehr finden. Da Greenberg bewußt ist, dass sein Bewertungsmodell Fehler produzieren wird, verschafft ihm der Diskontsatz von 14 bis 15% eine Sicherheitsmarge, wie sie von Benjamin Graham in Intelligent Investieren beschrieben wurde.

Greenbergs Investmentansatz ist hervorragend für den privaten Anleger geeignet, da sich über die Kriterien für gute Unternehmen innerhalb weniger Minuten die schlechten aussortieren lassen. Im nächsten Schritt muss sich der Anleger intensiv mit einem von ihm für gut befundenen Unternehmen auseinandersetzen und für dieses eine Diskont-Cashflow-Analyse durchführen. Zuletzt kauft er nur große Aktienpositionen von Unternehmen, die zum aktuellen Börsenkurs über eine ausreichende Sicherheitsmarge verfügen. Zudem wird der Anleger durch die starke Konzentration in die Lage versetzt, die Entwicklung seiner Investments mit vertretbarem Zeitaufwand zu verfolgen.