Das 8. Weltwunder Zinseszins

In einem aktuellen Kommentar stellt Shelby M.C. Davis – der unter anderem den bereits 1969 aufgelegten Davis New York Venture Fund mit einer seit damals durchschnittlichen jährlichen Rendite von derzeit 13,4% managt – sich selbst die Frage, weshalb er für sich und seine Kunden langfristig in Aktien investiert?

Valueinvesting.de, 28. April 2007

In seiner Antwort stellt er die Chance heraus, mit Aktien eine bessere Rendite als den risikofreien Zins von 10-jährigen Staatsanleihen – die gegenwärtig zwischen 4 und 5% Ertrag bringen – oder Bargeld, das sogar noch niedriger rentiert, zu erreichen. Historisch betrachtet haben Aktien praktisch in jeder signifikanten Zeitperiode eine bessere Rendite als Anleihen oder Bargeld erzielt.

Überdies führt Shelby Davis aus, dass der amerikanische Aktienindex Dow Jones in den späten 1940er Jahren, als sein Vater seine Investmentkarriere begann, bei ungefähr 200 Punkten notierte. Im Jahr 2006 überstieg der Dow Jones erstmals die 12.000 Punkte-Marke, was einer Versechzigfachung über einen Zeitraum von etwas mehr als einem halben Jahrhundert entspricht.

Noch beeindruckender findet Shelby Davis, dass im Durchschnitt offensichtlich nur ein moderater jährlicher Anstieg von etwa 7,7% notwendig war, um dieses gewaltige Wachstum zu bewerkstelligen. Falls der Dow Jones über die kommenden 30 Jahre mit der selben Rate zulegt, erhält Shelby Davis innerhalb seines Lebens eventuell noch die Gelegenheit zu sehen, wie der Index die Marke von 90.000 Punkten durchbricht.

Diese Perspektive hilft Davis sich auf die wahrscheinlich treibenden Kräfte zu konzentrieren, welche die Rendite der kommenden 10, 20 oder 30 Jahre ausmachen, und sich nicht zu sehr um die bevorstehende 10, 100 oder sogar 1.000 Punkte Bewegung des Dow Jones zu kümmern.

Infografik: 8. Weltwunder Zinseszins
Quelle: Davis Funds

Durch Ausnutzung des Zinseszins über einen langen Anlagehorizont konnte die Familie Davis den größten Teil ihres Vermögens aufbauen. Daher ist das Erlangen von Zinseszins das ultimative Ziel von Davis Familienunternehmen.

Shelby Davis kauft beständige Unternehmen zu günstigen Preisen und hält diese für sehr lange Zeit. Bei der Unternehmensanalyse versucht er „Zinseszinsmaschinen“ zu finden, die über viele Jahre Kapital mit attraktiven Renditen re-investieren können. Daher versucht Shelby Davis sein Aktienportfolio mit Unternehmen zu bestücken, die ihren Gewinn je Anteil mit einer Rate von 8 bis 12% p.a. steigern können.

Unter der Annahme gleichbleibender Kurs-Gewinn-Verhältnisse erwartet Davis, dass sich hierdurch innerhalb einiger Jahrzehnte das investierte Kapital verzehn- bis verdreißigfachen lässt.

Falls es gelingt, diese Unternehmen mit einem Abschlag zu ihrem Inneren Wert zu erwerben, ist sogar noch mehr möglich. Beispielsweise hat sein Vater im Jahr 1947 die Summe von 100.000 $ in „langweilige“ Aktien der Finanzbranche investiert und seine Karriere zu Beginn der 1990er Jahre mit über 800 Mio. $ beendet.

Wenn auch nur wenige von uns solche überragenden Ergebnisse erzielen können ist die gute Nachricht, dass sogar eine mittelmäßige Rendite, falls sie beständig über lange Zeiträume erzielt wird, dank des Zinseszins zu enormem Wohlstand führt. Daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass Albert Einstein die Kraft des Zinseszins einmal als „Das 8. Weltwunder“ bezeichnete.