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Die
Superinvestoren von Graham-und-Doddsville
Der
Artikel basiert auf einem
Vortrag, den Warren Buffett zur Feier des fünfzigsten Jahrestages
von
Graham & Dodd's Geheimnisse der Wertpapieranalyse im
Jahr 1984 an der Columbia
Universität gehalten hat. In diesem zeichnete er die Leistungen
von
Investoren nach, die sich dem Value-Ansatz verschrieben haben und damit
wohlhabend wurden.
Aus
dem
amerikanischen ins deutsche übersetzt von Die
Börsenfrau®.
Ein Nachdruck [1.624 kB
PDF-Datei] der
Rede erschien im Columbia Buiness School
Magazine.
Von Warren E. Buffett
|
Ist
es denn
überhaupt noch aktuell
entsprechend der Lehre Grahams und Dodds „nach Werten mit einer
deutlichen Sicherheitsspanne im Verhältnis zu ihrem Preis zu
suchen“? An den Universitäten herrscht heutzutage die Lehrmeinung
vor, dass die Aktienmärkte effizient wären, also dass die
Aktienkurse alle bekannten Aspekte hinsichtlich der Perspektiven eines
Unternehmens und der Wirtschaftslage allgemein widerspiegeln. Es
gäbe keine unterbewerteten Aktien, so argumentieren diese
Theoretiker, denn intelligente Wertpapieranalysten würden alle
verfügbaren Informationen nutzen und eine zuverlässige sowie
zutreffende Kursprognose garantieren. Diejenigen Investoren, die
scheinbar Jahr für Jahr „den Markt schlagen“, hätten
eigentlich nur Glück gehabt. „Wenn Aktienkurse alle
verfügbaren Informationen vollständig widerspiegeln, ist eine
solche Art von Investmentgenie ausgeschlossen“, schreibt einer der
modernen Verfechter dieser Theorie.
Nun gut, vielleicht ist es so. Dennoch möchte ich Ihnen einen
kleinen Kreis von Investoren vorstellen, die jahrelang den Aktienindex
Standard & Poor`s 500 geschlagen haben. Die Hypothese, dass Ihnen
dieses nur durch Glück gelang, ist zumindest
überprüfenswert. Entscheidend für das
Untersuchungsergebnis ist zudem die Tatsache, dass ich diesen kleinen
Kreis sehr gut kenne und ich sie bereits vorher schon als
Superinvestoren bezeichnet habe – zuletzt vor 15 Jahren.
Würde diese Voraussetzung fehlen, also wenn ich erst vor kurzem
unter tausenden von Ergebnissen ein paar Namen für Sie heute
Morgen ausgesucht hätte, würde ich Ihnen raten, hier mit dem
Lesen aufzuhören. Ergänzen möchte ich, dass alle
Ergebnisse überprüft wurden. Und noch hinzufügen
möchte ich, dass ich viele der Kapitalanleger kenne, die diesen
Superinvestoren ihr Geld zur Verwaltung übergeben haben, und wie
viel Gewinn sie über die Jahre daraus gezogen haben.
Bevor wir mit der Untersuchung beginnen, möchte ich Sie gerne zu
einem Gedankenspiel auffordern. Stellen Sie sich vor, Sie würden
an einem nationalen Münzwerf-Wettbewerb teilnehmen. Nehmen wir
also an, dass wir morgen früh 225 Millionen Amerikaner dazu
bewegen können, um einen Dollar zu wetten. Bei Sonnenaufgang
sind alle da und entscheiden sich für eine Seite einer Münze.
Wer richtig liegt, bekommt einen Dollar von jenen, die falsch lagen.
Dabei scheiden jeden Tag die Verlierer aus und am nächsten Tag
stellen sich die Sieger vom Tag zuvor erneut auf. Nach 10
Münzwürfen an 10 Vormittagen sollten in den Vereinigten
Staaten rund 220.000 Personen übrig bleiben, die 10
Münzwürfe hintereinander richtig erraten haben. Und jeder hat
etwas über 1.000 $ gewonnen.
So wie nun mal die menschliche Natur ist, wird sich diese Gruppe
wahrscheinlich ein wenig brüsten. Zwar mögen sie versuchen,
bescheiden zu bleiben, aber auf den Cocktailparties werden sie so
beiläufig beim anderen Geschlecht etwas über ihre Techniken
und großartigen Einsichten auf dem Gebiet des Münzwerfens
einstreuen.
Setzen wir nun den Wettbewerb fort und nehmen an, dass die Sieger ihren
entsprechenden Preis von den Verlierern erhalten. Nach weiteren 10
Tagen werden wir 215 Personen haben, die die Münzseite nun 20mal
hintereinander richtig erraten haben und die damit aus einem Dollar
etwas mehr als 1 Million $ gemacht haben. 225 Millionen $ wurden
verloren und 225 Millionen $ gewonnen.
Und spätestens jetzt werden jene Sieger verrückt spielen.
Eventuell fangen sie an, ein Buch zum Thema „Wie man aus einem Dollar
in nur zwanzig Arbeitstagen während dreißig Sekunden je
Vormittag eine Million Dollar macht“ zu schreiben Oder vielleicht noch
schlimmer: Sie jetten umher und besuchen Seminare zum Thema des
effizienten Münzwurfs, streiten sich mit skeptischen Professoren:
„Wenn es nicht funktionieren würde, wieso waren wir 215
erfolgreich?“
Spätestens dann werden einige Dozenten aus den Finanzinstituten
ein wenig unhöflich einwenden, dass die Ergebnisse so ziemlich die
gleichen wären, wenn 225 Millionen Orang-Utans in ein
ähnliches Experiment eingebunden wären: Nämlich 215
selbstgefällige Orang-Utans mit 20 Treffern hintereinander.
Allerdings würde ich dagegen halten und einwenden, dass es einen
entscheidenden Unterschied gäbe, wenn (a) die aus allen Teilen der
US-amerikanischen Population stammenden 225 Millionen Orang-Utans, von
(b) denen nach 20 Tagen noch 215 Sieger übrig gebliebenen sind,
allein 40 aus einem speziellen Zoo in Omaha stammen. Mit Sicherheit
wären alle überzeugt, dass es damit eine bestimmte Bewandtnis
auf sich hätte. Man würde eventuell den Tierwärter
aufsuchen und fragen, was er ihnen denn zum Fressen geben würde
und ob er spezielle Übungen mit ihnen machen würde; welche
Bücher sie lesen würden und was sonst noch alles. Das
heißt also, dass dort, wo Sie eine wirklich
außergewöhnliche Konzentration von Erfolg finden, Sie auch
wissen möchten, was die Ursache hierfür sein könnte.
Wissenschaftliche Ansätze folgen
normalerweise solchen Mustern.
Nehmen wir beispielsweise an, dass Sie die möglichen Ursachen
einer seltenen Art von Krebs analysieren wollen – mit, sagen wir, 1.500
Fällen pro Jahr in den Vereinigten Staaten. Nun finden Sie heraus,
dass 400 Fälle allein in einer kleinen Bergwerksstadt in Montana
auftreten. Sie werden sich nun vermutlich für die dortige
Wasserqualität interessieren, oder nach dem ausgeübten Beruf
der Betroffenen fragen. Auch andere Variablen werden Sie in Betracht
ziehen. Denn eines wissen Sie: Es kann kein Zufall sein, dass gerade
400 Fälle an diesem kleinen Ort vorkommen. Sie müssen dazu
nicht unbedingt den ursächlichen Faktor kennen, Sie müssen
nur wissen, wo Sie suchen müssen.
Ich behaupte nun, dass man neben der geografischen Herkunft auch eine
andere Herkunft definieren kann. Ich möchte dies als
intellektuelle Herkunft bezeichnen. So meine ich, dass Sie eine
unverhältnismäßig große Anzahl von erfolgreichen
Münzwerfern in der Investmentwelt finden werden, die aus einem
sehr kleinen intellektuellen Dorf, das man Graham-und-Doddsville nennen
könnte, stammen.
Andere Voraussetzungen könnten jedoch eine derartige Konzentration
unwichtig erscheinen lassen. Nehmen wir einmal 100 Personen, die dem
Münzwurf einer ausgesprochen überzeugenden
Persönlichkeit folgen und jeden Ausruf dabei imitieren. Ruft sie
Kopf, dann rufen alle 100 automatisch auch Kopf. Wenn diese
Persönlichkeit Teil der 215 Übriggebliebenen war, bedeutet
die Tatsache, dass 100 den gleichen intellektuellen Ursprung haben,
überhaupt nichts. Man würde sie einfach als eine von hundert
Fällen definieren. Lassen Sie uns auf die gleiche Weise annehmen,
dass wir in einer streng patriarchalischen Gesellschaft leben und jede
Familie in den Vereinigten Staaten würde zur Vereinfachung aus 10
Mitgliedern bestehen. Lassen Sie uns weiter annehmen, dass die
patriarchalische Kultur so ausgeprägt ist, dass jedes
Familienmitglied aller 225 Millionen Personen vom ersten Tag an sich
mit dem Münzruf des Vaters identifiziert. Am Ende der
Zwanzig-Tagesperiode würde man wieder 215 Gewinner haben, die wie
Sie richtig sehen, nur aus 21,5 Familien stammen. Ein paar naive
Menschen werden als Erklärung für das erfolgreiche
Münzwerfen dafür erbliche Faktoren verantwortlich machen.
Aber es hätte
natürlich überhaupt keine Beweiskraft, denn es würde
einfach nur bedeuten, dass es nicht 215 individuelle Sieger gäbe,
sondern vielmehr 21,5 zufällige Familien, die die Sieger
wären.
In jener Gruppe erfolgreicher
Investoren, von denen ich spreche, gibt
es auch einen gemeinsamen intellektuellen Patriarchen, nämlich Ben
Graham. Allerdings haben die Kinder, nachdem sie das Haus dieses
intellektuellen Patriarchen verlassen haben, ihre „Münzen“ ganz
unterschiedlich geworfen. Sie wohnen nicht zusammen an gleichen
Plätzen und haben weder gleiche Aktien noch gleiche Unternehmen
gekauft oder verkauft. Doch sie weisen eine gemeinsame Leistung auf,
die nicht einfach durch die Tatsache erklärt werden kann, dass sie
alle die gleiche Münzseite benannt haben, nur weil jemand ihnen
diese Münzseite signalisiert hat. Der Patriarch hat allein die
intellektuelle Lehre zur Münzbestimmung weitergegeben. Jeder
Student hat in seiner eigenen Art und Weise entschieden, wie er diese
Lehre anwendet.
Der gemeinsame intellektuelle rote Faden der Investoren von
Graham-und-Doddsville sieht wie folgt aus: Sie suchen nach einer
Abweichung im Unternehmenswert vom Preis eines am Aktienmarkt
gehandelten kleinen Anteils dieses Unternehmens. Im Wesentlichen nutzen
sie solche Abweichungen, ohne die Theorie der effizienten Märkte
im Hinblick auf den Kauf am Montag oder Dienstag zu
berücksichtigen. Oder im Hinblick darauf, ob es Januar oder Juli,
usw. ist. Schauen Sie sich an, wie Geschäftsleute verfahren. Wenn
Geschäftsleute Unternehmen kaufen, und das ist genau das, was
unsere Investoren von Graham & Dodd mit dem Kauf von
börsennotierten Aktien machen, dann bezweifle ich, dass viele sich
bei ihrer Kaufentscheidung vom Wochentag oder Monat, an dem die
Transaktion stattfindet, verrückt machen lassen. Und da es keinen
Unterschied macht, ob man ein gesamtes Unternehmen an einem Montag oder
Freitag kauft, erstaunt es mich immer wieder, weshalb Akademiker so
viel Zeit und Mühe darauf verwenden, um zu sehen, ob es einen
Unterschied macht, wenn man kleine Anteile am selben Unternehmen an
einem bestimmten Wochentag oder Monat kauft. Unsere Investoren von
Graham & Dodd diskutieren nie über Beta, das Capital Asset
Pricing Modell oder die Kovarianz der Rentabilität bei
Wertpapieren. Das interessiert sie einfach nicht. Wahrscheinlich
würden viele von ihnen eher Schwierigkeiten mit der Terminologie
haben. Diese Investoren konzentrieren sich ganz einfach auf zwei
Variablen: Preis und Wert.
Ich finde es immer wieder faszinierend, dass so viele Studien über
das Verhalten von Kurs und Volumina, der Stoff der Chartisten, gemacht
werden. Können Sie sich vorstellen, dass Sie ein ganzes
Unternehmen einfach kaufen, nur weil der Preis des Unternehmens sich
letzte Woche und die Woche zuvor deutlich nach oben bewegt hat?
Natürlich liegt einer der Gründe darin, dass heute im
Computerzeitalter, wo eine schier endlose Datenmenge zur Verfügung
steht, eine Menge von Studien über Kurs- und Volumenvariablen
gemacht werden. Sie werden nicht unbedingt gemacht, weil sie eventuell
einen Nutzen hätten; sie werden einfach gemacht, weil es die Daten
gibt und Akademiker hart die dafür notwendigen mathematischen
Fähigkeiten erlernt haben, um diese Daten zu manipulieren. Nachdem
man sich nun diese Fähigkeiten angeeignet hat, scheint es einem
Sündenfall gleich zu kommen, sie nicht anzuwenden. Auch wenn der
Gebrauch keinerlei Nutzen verspricht. So wie einer meiner Freunde
meinte: „Für einen Mann mit einem Hammer sieht alles wie ein Nagel
aus.“
Nun denke ich, dass es sich lohnt, die Gruppe, die aus einem
gemeinsamen intellektuellen Haus stammt, einmal genauer zu betrachten.
Nur nebenbei bemerkt, es gibt trotz aller akademischer Studien
über den Einfluss von Variablen wie Preis, Volumen,
Saisonalität, Kapitalisierungsgröße, u.a. auf die
Aktienperformance offensichtlich kein Interesse am Studium der Methoden
dieser ungewöhnlichen Konzentration von wertorientierten Siegern.
Lassen Sie mich zur Beurteilung der Ergebnisse auf unsere Gruppe
bestehend aus vier Personen, die von 1954 bis 1956 bei Graham-Newman
Corporation arbeiteten, zurückgreifen. Es gab nur uns vier – ich
habe also diese Namen nicht aus tausenden von Namen ausgewählt.
Nachdem ich Vorlesungen von Ben Graham besucht habe, bot ich ihm an,
bei Graham-Newman praktisch kostenlos zu arbeiten. Er lehnte mich
allerdings als zu teuer ab. Er nahm dieses Value-Zeug sehr ernst!
Nachdem ich ihm aber lange genug in den Ohren gelegen habe, stellte er
mich schließlich doch ein. Die Firma bestand aus drei Teilhabern
und uns vier Banausen. Und alle vier verabschiedeten wir uns zwischen
1955 und 1957, als die Firma aufgelöst wurde. Die Leistungen
dieser Banausen möchte ich Ihnen nun zeigen.
Als erstes nehmen wir Walter Schloss
(siehe Tabelle 1). Walter hatte
nie ein College besucht. Nur abends besuchte er die Kurse von Ben
Graham am New Yorker Institute of Finance. Walter verließ
Graham-Newman 1955 und über einen Zeitraum von 28 Jahren erzielte
er die hier aufgezeigten Leistungen. So schrieb „Adam Smith“ – nachdem
ich ihm von Walter erzählt habe – in Supermoney (1972) über
ihn:
Er hat keine Beziehungen oder sonstigen Zugang zu besonders
nützlichen Informationen. An der Wall Street kennt ihn praktisch
niemand und er ist nicht mit irgendwelchen Ideen vollgestopft. Er
prüft einfach die Zahlen in den Handbüchern und lässt
sich die Jahresberichte zukommen. Und das war’s.
Als ich Schloss vorgestellt wurde, beschrieb Warren ihn so: „Er
vergisst nie, dass er das Geld anderer Leute verwaltet. Und das
verstärkt seine schon normalerweise große Abneigung gegen
Verluste“ Er ist vollkommen integer und hat eine realistische
Einschätzung von sich selbst. Geld, wie auch Aktien, ist für
ihn etwas Reales – und deshalb fühlt er sich zum Prinzip
„Sicherheitsmarge“ hingezogen.
Tabelle 1: Walter J. Schloss
|
Jahr
|
S&P
Gesamtgewinn,
inklusive
Dividenden
in [%]
|
WJS
Ltd
Partner
Gesamtgewinn
pro Jahr
in [%]
|
WJS
Partnerschaft
Gesamtgewinn
pro Jahr
in [%]
|
|
|
1956
|
7,5
|
5,1
|
6,8
|
Standard & Poor's 28 ¼ Jahre Gesamtgewinn
|
887,2%
|
1957
|
-10,5
|
-4,7
|
-4,7
|
WJS Limited Partner 28 ¼ Jahre
Gesamtgewinn |
6.678,8%
|
1958
|
42,1
|
42,1
|
54,6
|
WJS Partnerschaft 28 ¼ Jahre
Gesamtgewinn |
23.104,7%
|
1959
|
12,7
|
17,5
|
23,3
|
Standard & Poor's 28 ¼
Jahre
Durchschnittsgewinn p.a.
|
8,4%
|
1960
|
-1,6
|
7,0
|
9,3
|
WJS Limited Partner 28 ¼ Jahre Durchschnittsgewinn
p.a. |
16,1%
|
1961
|
26,4
|
21,6
|
28,8
|
WJS Partnerschaft
28 ¼ Jahre Durchschnittsgewinn p.a. |
21,3%
|
1962
|
-10,2
|
8,3
|
11,1
|
|
|
1963
|
23,3
|
15,1
|
20,1
|
Im Laufe der Partnerschaft besaß
Schloss
über 800 Werte und zur meisten |
|
1964
|
16,5
|
17,1
|
22,8
|
Zeit wenigstens 100 Positionen. Das
Vermögen
im Jahre 1984 belief sich auf |
|
1965
|
13,1
|
26,8
|
35,7
|
annähernd 45 Mio. $ |
|
1966
|
-10,4
|
0,5
|
0,7
|
|
|
1967
|
26,8
|
25,8
|
34,4
|
|
|
1968
|
10,6
|
26,6
|
35,5
|
|
|
1969
|
-7,5
|
-9,0
|
-9,0
|
|
|
1970
|
2,4
|
-8,2
|
-8,2
|
|
|
1971
|
14,9
|
25,5
|
28,3
|
|
|
1972
|
19,8
|
11,6
|
15,5
|
|
|
1973
|
-14,8
|
-8,0
|
-8,0
|
|
|
1974
|
-26,6
|
-6,2
|
-6,2
|
|
|
1975
|
36,9
|
42,7
|
52,2
|
|
|
1976
|
22,4
|
29,4
|
39,2
|
|
|
1977
|
-8,6
|
25,8
|
34,4
|
|
|
1978
|
7,0
|
36,6
|
48,8
|
|
|
1979
|
17,6
|
29,8
|
39,7
|
|
|
1980
|
32,1
|
23,3
|
31,1
|
|
|
1981
|
-6,7
|
18,4
|
24,5
|
|
|
1982
|
20,2
|
24,1
|
32,1
|
|
|
1983
|
22,8
|
38,4
|
51,2
|
|
|
1984
(1. Quartal)
|
-2,3
|
0,8
|
1,1
|
|
|
|
Walter diversifizierte in hohem
Maße und hatte stets weit über 100 Aktien im Portfolio. Er
besitzt die Fähigkeit, Wertpapiere herauszufiltern, deren Preis
wesentlich unter dem tatsächlichen Wert liegt. Und das ist alles,
was er macht. Er macht sich keine Gedanken darüber, ob es Januar
ist; er macht sich keine Gedanken darüber, ob es Montag ist und er
macht sich keine Gedanken darüber, ob es ein Wahljahr ist. Er
meint ganz einfach: Wenn ein Unternehmen einen Dollar wert ist und ich
es für 40 Cent kaufen kann, dann ist das gut für mich. Und so
verfährt er immer wieder. Er besitzt mehr Aktien als ich – und er
ist weit weniger am Geschäftsmodell interessiert als ich, da
scheine ich nicht gerade viel Einfluss auf Walter zu haben. Aber das
ist eine seiner Stärken; niemand kann ihn beeinflussen.
Der zweite Fall ist Tom Knapp, der auch mit mir bei Graham-Newman
arbeitete. Tom war vor dem Krieg Chemiker in Princeton. Als er aus dem
Krieg zurückkam, bummelte er nur noch am Strand herum. Und dann
las er eines Tages, dass Dave Dodd einen Abendkurs über
Kapitalanlagen an der Columbia gab. Tom besuchte einen Kurs und begann
sich so stark für das Thema zu interessieren, dass er sich
schließlich an der Columbia Business School einschrieb, die er
später mit einem MBA abschloss. Er besuchte die Kurse von Dodd und
Graham. Nebenbei möchte ich noch bemerken, dass ich Tom 35 Jahre
später angerufen habe, um einige Fakten zu ermitteln. Ich habe ihn
wieder am Strand vorgefunden. Allerdings mit dem Unterschied, dass er
nun den Strand sein eigen nennen konnte.
1968 gründeten Tom Knapp und Ed Anderson, ebenfalls ein
Graham-Anhänger, zusammen mit einem oder zwei anderen Partnern,
die eine ähnliche Denkensart pflegten, Tweedy, Browne Partners.
Die Ergebnisse ihrer Kapitalanlagen stehen in Tabelle 2. Tweedy, Browne
haben diese Resultate erzielt, indem sie ihre Kapitalanlagen sehr breit
diversifizierten. Hin und wieder haben sie die Kontrolle eines
Unternehmens übernommen, doch ist kein Unterschied in den
Ergebnissen zwischen den passiven Kapitalanlagen und denjenigen der von
ihnen kontrollierten Unternehmen zu erkennen.
Tabelle 3 zeigt die Ergebnisse des
dritten Mitglieds der Gruppe. Dieses
Mitglied gründete 1957 die Buffett Partnership und verließ
sie 1969. Das war das Beste. In gewisser Weise ist seit damals
Berkshire Hathaway sozusagen die Weiterführung der
Beteiligungsgesellschaft (Anm. Übers.: Buffett Partnership). Zu
Berkshire gibt es keinen einzigen Index, den ich Ihnen als Bezugswert
empfehlen kann. Doch ich denke, dass Sie selbst erkennen können,
wie zufrieden stellend die Ergebnisse sind.
Tabelle 2: Tweedy, Browne Inc.
|
|
Tabelle 3: Buffett Partnership, Ltd.
|
per
Ende
(30. Sept.)
|
Dow
Jones*
in [%]
|
S&P
500*
in [%]
|
TBK
Gesamt
in [%]
|
TBK
Partner
in [%]
|
|
Jahr
|
Dow
Jones
in [%] |
Partnership
in [%]
|
Limited
Partner
in [%]
|
1968
(9 Monate)
|
6,0
|
8,8
|
27,6
|
22,0
|
|
1957
|
-8,4
|
10,4
|
9,3
|
1969
|
-9,5
|
-6,2
|
12,7
|
10,0
|
|
1958
|
38,5
|
40,9
|
32,2
|
1970
|
-2,5
|
-6,1
|
-1,3
|
-1,9
|
|
1959
|
20,0
|
25,9
|
20,9
|
1971
|
20,7
|
20,4
|
20,9
|
16,1
|
|
1960
|
-6,2
|
22,8
|
18,6
|
1972
|
11,0
|
15,5
|
14,6
|
11,8
|
|
1961
|
22,4
|
45,9
|
35,9
|
1973
|
2,9
|
1,0
|
8,3
|
7,5
|
|
1962
|
-7,6
|
13,9
|
11,9
|
1974
|
-31,8
|
-38,1
|
1,5
|
1,5
|
|
1963
|
20,6
|
38,7
|
30,5
|
1975
|
36,9
|
37,8
|
28,8
|
22,0
|
|
1964
|
18,7
|
27,8
|
22,3
|
1976
|
29,6
|
30,1
|
40,2
|
32,8
|
|
1965
|
14,2
|
47,2
|
36,9
|
1977
|
-9,9
|
-4,0
|
23,4
|
18,7
|
|
1966
|
-15,6
|
20,4
|
16,8
|
1978
|
8,3
|
11,9
|
41,0
|
32,1
|
|
1967
|
19,0
|
35,9
|
28,4
|
1979
|
7,9
|
12,7
|
25,5
|
20,5
|
|
1968
|
7,7
|
58,8
|
45,6
|
1980
|
13,0
|
21,1
|
21,4
|
17,3
|
|
1969
|
-11,6
|
6,8
|
6,6
|
1981
|
-3,3
|
-2,7
|
14,4
|
11,6
|
|
Ergebnisse auf kumulierter Basis:
|
1982
|
12,5
|
10,1
|
10,2
|
8,2
|
|
1957
|
-8,4
|
10,4
|
9,3
|
1983
|
44,5
|
44,3
|
35,0
|
28,2
|
|
1957-58
|
26,9
|
55,6
|
44,5
|
Gesamtgewinn
15 ¾ Jahre
|
191,8%
|
238,5%
|
1.661,2%
|
936,4%
|
|
1957-59
|
52,3
|
95,9
|
74,7
|
|
|
|
|
|
|
1957-60
|
42,9
|
140,6
|
107,2
|
Standard
& Poor's 15 ¾ Jahre Durchschnittsgewinn p.a.
|
7,0%
|
|
1957-61 |
74,9
|
251,0
|
181,6
|
| TBK Limited
Partner 15 ¾ Jahre Durchschnittsgewinn p.a. |
16,0%
|
|
1957-62 |
61,6
|
299,8
|
215,1
|
| TBK Gesamt 15
¾ Jahre Durchschnittsgewinn p.a. |
20,0%
|
|
1957-63 |
94,9
|
454,5
|
311,2
|
|
|
|
|
|
|
1957-64 |
131,3
|
608,7
|
402,9
|
*einschließlich
gezahlter Dividenden für Standard & Poor's 500 Composite
Index und Dow Jones Industrial Average.
|
|
1957-65 |
164,1
|
943,2
|
588,5
|
|
|
|
|
|
|
1957-66 |
122,9
|
1.156,0
|
704,2
|
|
|
|
|
|
|
1957-67 |
165,3
|
1.606,9
|
932,6
|
|
|
|
|
|
|
1957-68 |
185,7
|
2.610,6
|
1.403,5
|
|
|
|
|
|
|
1957-69 |
152,6
|
2.794,9
|
1.502,7
|
|
|
|
|
|
|
Durchschnitt
p.a.
|
7,4
|
29,5
|
23,8
|
|
|
|
Tabelle 4 zeigt die Ergebnisse des
Sequoia Fund, der von Bill Ruane verwaltet wird, den ich 1951 in Ben
Grahams Kurs kennen lernte. Nachdem Bill die Harvard Business School
beendet hatte, ging er an die Wall Street. Doch dann stellte sich
heraus, dass für ihn eine betriebswirtschaftliche Ausbildung
besser wäre. So entschloss er sich, einen Kurs an der Columbia, wo
wir uns Anfang 1951 trafen, zu besuchen. Als ich die Buffett
Partnership auflöste, fragte ich Bill, ob er einen Fonds aufbauen
würde, um alle unsere Gesellschafter zu bedienen. Und so baute er
den Sequoia Fund auf. Er begann in einer ausgesprochen schwierigen
Zeit, also in einer Zeit, in der ich gerade die Partnership
verließ. Er geriet direkt in einen turbulenten Markt und damit in
alle Schwierigkeiten, die für eine Vergleichsperformance für
wertorientierte Anleger wie gemacht sind. Ich freue mich, Ihnen sagen
zu können, dass meine Partner ihm nicht nur treu blieben, sondern
– wie Sie sehen können - Kapital in einem wunderbaren Ausmaß
anhäuften.
Tabelle 4: Sequoia Fund, Inc.
|
|
|
|
jährliche Veränderung**
|
|
|
Jahr
|
Sequoia
Fund
in [%]
|
S&P
500
Index*
in [%]
|
|
|
1970
(ab 15. Juli)
|
12,1
|
20,6
|
|
|
1971
|
13,5
|
14,3
|
|
|
1972
|
3,7
|
18,9
|
|
|
1973
|
-24,0
|
-14,8
|
|
|
1974
|
-15,7
|
-26,4
|
|
|
1975
|
60,5
|
37,2
|
|
|
1976
|
72,3
|
23,6
|
|
|
1977
|
19,9
|
-7,4
|
|
|
1978
|
23,9
|
6,4
|
|
|
1979
|
12,1
|
18,2
|
|
|
1980
|
12,6
|
32,3
|
|
|
1981
|
21,5
|
-5,0
|
|
|
1982
|
31,2
|
21,4
|
|
|
1983
|
27,3
|
22,4
|
|
|
1984
(1. Quartal)
|
-1,6
|
-2,4
|
|
|
Gesamter
Zeitraum
|
775,3%
|
270,0%
|
|
|
Jährlicher
Durchschnittsgewinn
|
17,2%
|
10,0%
|
|
|
Zzgl.
1% Managementgebühr
|
1,0%
|
|
|
|
Bruttoanlageergebnis
|
18,2%
|
10,0%
|
|
|
|
|
|
|
|
*Enthaltene
Dividenden (und Kapitaleinkünfte im Fall des Sequoia Fund) werden
als
reinvestiert behandelt.
|
|
|
**Die Zahlen
differieren geringfügig zu den S&P Daten aus Tabelle 1. Die
Ursache
ist eine unterschiedliche Berechnung der reinvestierten Dividenden.
|
|
|
|
|
|
Wir reden hier nicht von hinterher. Bill
war damals der Einzige, den ich meinen Gesellschaftern empfohlen habe
und ich sagte noch, dass wenn er auch nur 4 Prozentpunkte mehr als der
Standard & Poor’s erzielen könnte, er eine grundsolide
Performance aufweisen könnte. Bill erreichte weit mehr und
arbeitete mit ständig größer werdenden Summen. Was
alles noch viel schwieriger machte, denn Größe hängt
mit der Performance zusammen. Damit möchte ich aber nicht sagen,
dass man aufgrund der immer größer werdenden Summen keine
besseren Resultate als der Durchschnitt erzielen kann. Doch die Margen
werden kleiner. Und wenn Sie jemals zwei Billionen Dollar verwalten
sollten, und es wäre zufällig das gesamte Wirtschaftskapital,
dann glauben Sie nur nicht, dass Sie besser als der Durchschnitt sein
werden.
Ich sollte hinzufügen, dass praktisch bei den bisher betrachteten
Leistungsausweisen über den gesamten Zeitraum hinweg kein
Portfolio dem anderen glich. Die Wertpapiere wurden in Hinblick auf die
Differenz zwischen Preis und tatsächlichem Wert ausgewählt,
aber jeder traf die Auswahl nach sehr unterschiedlichen
Gesichtspunkten. Walters größte Beteiligungen waren so
solide wie Hudson Pulp & Paper und Jeddo Highland Coal und New York
Trap Rock Company und all jene Namen, die auch einem gelegentlichen
Leser der Finanzseiten in den Kopf schießen. Tweedy Brownes
Auswahl steht dem nur wenig nach. Bill andererseits bevorzugte
große Unternehmen. Die Portfolios überschnitten sich nur
sehr wenig. Die Leistungen sind also nicht zustande gekommen, weil
einer mit dem Finger geschnipst hat und fünfzig andere
nacheiferten.
Tabelle 5 zeigt die Ergebnisse eines
meiner Freunde, der in der
Rechtswissenschaft in Harvard einen akademischen Grad erlangte und eine
große Anwaltskanzlei aufbaute. Ich traf ihn zufällig um 1960
und meinte ihm gegenüber, dass Recht als Hobby gut wäre, aber
es gäbe etwas Besseres für ihn. So gründete er
eine Beteiligungsgesellschaft, die völlig anders als Walters war.
Sein Portfolio konzentrierte sich auf wenige Wertpapiere. Und so waren
seine Ergebnisse auch unbeständiger. Doch er war bereit,
ausgeprägte Hochs und Tiefs in der Performance zu akzeptieren. Er
war jemand, dessen gesamter Charakter nach Konzentration verlangte, so
wie die aufgezeigten Ergebnisse. Übrigens gehören diese
Ergebnisse zu Charlie Munger, meinem langjährigen Partner bei
Berkshire Hathaway. Die Beteiligungen seines damaligen Portfolios
unterschieden sich fast gänzlich von meinen und denen der anderen
bereits erwähnten Kollegen.
Tabelle 5: Charles Munger
|
Jahr
|
Mass.
Inv.
Trust
in [%]
|
Investors
Stock in [%]
|
Lehman
in [%]
|
Tri-Cont.
in [%]
|
Dow
in [%]
|
Partnership
Gesamt
in [%]
|
Limited
Partner
in [%]
|
jährliche Ergebnisse (1)
|
|
|
|
|
|
|
|
1962
|
-9,8
|
-13,4
|
-14,4
|
-12,2
|
-7,6
|
30,1
|
20,1
|
1963
|
20,0
|
16,5
|
23,8
|
20,3
|
20,6
|
71,7
|
47,8
|
1964
|
15,9
|
14,3
|
13,6
|
13,3
|
18,7
|
49,7
|
33,1
|
1965
|
10,2
|
9,8
|
19,0
|
10,7
|
14,2
|
8,4
|
6,0
|
1966
|
-7,7
|
-9,9
|
-2,6
|
-6,9
|
-15,7
|
12,4
|
8,3
|
1967
|
20,0
|
22,8
|
28,0
|
25,4
|
19,0
|
56,2
|
37,5
|
1968
|
10,3
|
8,1
|
6,7
|
6,8
|
7,7
|
40,4
|
27,0
|
1969
|
-4,8
|
-7,9
|
-1,9
|
0,1
|
-11,6
|
28,3
|
21,3
|
1970
|
0,6
|
-4,1
|
-7,2
|
-1,0
|
8,7
|
-0,1
|
-0,1
|
1971
|
9,0
|
16,8
|
26,6
|
22,4
|
9,8
|
25,4
|
20,6
|
1972
|
11,0
|
15,2
|
23,7
|
21,4
|
18,2
|
8,3
|
7,3
|
1973
|
-12,5
|
-17,6
|
-14,3
|
-21,3
|
-13,1
|
-31,9
|
-31,9
|
1974
|
-25,5
|
-25,6
|
-30,3
|
-27,6
|
-23,1
|
-31,5
|
-31,5
|
1975
|
32,9
|
33,3
|
30,8
|
35,4
|
44,4
|
73,2
|
73,2
|
Gesamtergebnisse (2)
|
|
|
|
|
|
|
|
1962
|
-9,8
|
-13,4
|
-14,4
|
-12,2
|
-7,6
|
30,1
|
20,1
|
| 1962-3 |
8,2
|
0,9
|
6,0
|
5,6
|
11,5
|
123,4
|
77,5
|
| 1962-4 |
25,4
|
15,3
|
20,4
|
19,6
|
32,4
|
234,4
|
136,3
|
| 1962-5 |
38,2
|
26,6
|
43,3
|
32,4
|
51,2
|
262,5
|
150,5
|
| 1962-6 |
27,5
|
14,1
|
39,5
|
23,2
|
27,5
|
307,5
|
171,3
|
| 1962-7 |
53,0
|
40,1
|
78,5
|
54,5
|
51,8
|
536,5
|
273,0
|
| 1962-8 |
68,8
|
51,4
|
90,5
|
65,0
|
63,5
|
793,6
|
373,7
|
| 1962-9 |
60,7
|
39,4
|
86,9
|
65,2
|
44,5
|
1.046,5
|
474,6
|
| 1962-70 |
61,7
|
33,7
|
73,4
|
63,5
|
57,1
|
1.045,4
|
474,0
|
| 1962-71 |
76,3
|
56,2
|
119,5
|
100,1
|
72,5
|
1.336,3
|
592,2
|
| 1962-72 |
95,7
|
79,9
|
171,5
|
142,9
|
103,9
|
1.455,5
|
642,7
|
| 1962-73 |
71,2
|
48,2
|
132,7
|
91,2
|
77,2
|
959,3
|
405,8
|
| 1962-74 |
27,5
|
10,3
|
62,2
|
38,4
|
36,3
|
625,6
|
246,5
|
| 1962-75 |
69,4
|
47,0
|
112,2
|
87,4
|
96,8
|
1.156,7
|
500,1
|
Durchschnitt p.a.
|
3,8
|
2,8
|
5,5
|
4,6
|
5,0
|
19,8
|
13,7
|
|
Tabelle 6 zeigt die Ergebnisse eines
Kollegen, ein Freund von Charlie Munger. Auch er war kein
Business School-Typ. Er war führender Mathematiker in USC. Nach
der Graduierung ging er zu IBM und arbeitete dort einige Zeit als
Vertriebsmann. Charlie hat ihn nach unserer eigenen Zusammenkunft
getroffen. Es sind die Ergebnisse von Rick Guerin. Rick erzielte von
1965 bis 1983 eine Gesamtrendite von 22.200% - die Gesamtrendite des
S&P betrug im Vergleich dazu 316%. Was wahrscheinlich darauf
zurückzuführen ist, dass er keine Ausbildung an einer
Business School genoss, auch wenn er sie als wichtig ansieht.
Tabelle 6: Pacific Partners, Ltd.
|
Jahr
|
S&P
500
Index
in [%]
|
Partner
Ergebnisse
in [%]
|
Partnerschaft
Ergebnisse
in [%]
|
|
|
1965
|
12,4
|
21,2
|
32,0
|
Standard & Poor's 19 Jahre Gesamtgewinn |
316,4%
|
1966
|
-10,1
|
24,5
|
36,7
|
Partner 19 Jahre Gesamtgewinn |
5.530,2%
|
1967
|
23,9
|
120,1
|
180,1
|
Partnerschaft 19 Jahre Gesamtgewinn |
22.200,0%
|
1968
|
11,0
|
114,6
|
171,9
|
Standard & Poor's 19 Jahre
Durchschnittsgewinn p.a. |
7,8%
|
1969
|
-8,4
|
64,7
|
97,1
|
Partner 19 Jahre
Durchschnittsgewinn p.a. |
23,6%
|
1970
|
3,9
|
-7,2
|
-7,2
|
Partnerschaft 19 Jahre
Durchschnittsgewinn p.a. |
32,9%
|
1971
|
14,6
|
10,9
|
16,4
|
|
|
1972
|
18,9
|
12,8
|
17,1
|
|
|
1973
|
-14,8
|
-42,1
|
-42,1
|
|
|
1974
|
-26,4
|
-34,4
|
34,4
|
|
|
1975
|
37,2
|
23,4
|
31,2
|
|
|
1976
|
28,6
|
127,8
|
127,8
|
|
|
1977
|
-7,4
|
20,3
|
27,1
|
|
|
1978
|
6,4
|
28,4
|
37,9
|
|
|
1979
|
18,2
|
36,1
|
48,2
|
|
|
1980
|
32,3
|
18,1
|
24,1
|
|
|
1981
|
-5,0
|
6,0
|
8,0
|
|
|
1982
|
21,4
|
24,0
|
32,0
|
|
|
1983
|
22,4
|
18,6
|
24,8
|
|
|
|
Etwas möchte ich hier noch kurz
einwerfen: Mich verblüfft es immer wieder, wie der Ansatz, einen
Dollar für 40 Cent zu kaufen, Leute entweder sofort anspricht oder
nie. Als würde man geimpft werden: Wer nicht sofort darauf
anspricht, der spricht auch nach meiner Erfahrung dann nicht darauf an,
auch wenn Sie jahrelang auf ihn einreden und ihm immer wieder die
Ergebnisse aufzeigen. Solche Leute scheinen einfach nicht fähig zu
sein, das Konzept zu begreifen, so einfach es auch ist. Jemand wie Rick
Guerin, der keine formelle Ausbildung in Betriebswirtschaft hat,
versteht den Wertansatz der Anlage sofort und wendet ihn fünf
Minuten später an. Ich habe nie jemanden kennen gelernt, der sich
über eine Zeit von 10 Jahren dieser Methode allmählich
angenähert hätte. Es scheint keine Sache eines IQs oder einer
akademischen Ausbildung zu sein. Entweder schlägt es wie ein Blitz
ein oder nicht.
Tabelle 7 zeigt die Ergebnisse von Stan Perlmeter. Stan war
Kunstwissenschaftler an der Universität von Michigan. Er war
Partner der Werbeagentur von Bozell & Jacobs. Wir saßen
zufällig im gleichen Gebäude von Omaha. 1965 rechnete er sich
aus, dass ich ein besseres Geschäft hatte als er. So verließ
er das Werbegeschäft. Und wieder brauchte es nur fünf Minuten
für Stan, um den Wertansatz zu verstehen.
Tabelle 7: Perlmeter Investments
|
Jahr
|
PIL
Gesamt
in [%]
|
Limited
Partner
in [%]
|
|
|
1.8.-31.12.65
|
40,6
|
32,5
|
Gesamtgewinn der Partnerschaft vom 01.08.1965 bis 31.10.1983
|
4.277,2%
|
1966
|
6,4
|
5,1
|
Limited Partner Gesamtgewinn vom
01.08.1965
bis 31.10.1983 |
2.309,5%
|
1967
|
73,5
|
58,8
|
Jährlicher Durchschnittsgewinn
der
Partnerschaft
|
23,0%
|
1968
|
65,0
|
52,0
|
Jährlicher Durchschnittsgewinn
der
Limited
Partner |
19,0%
|
1969
|
-13,8
|
-13,8
|
Dow Jones Industrial Avarage (Stand: 31.07.1965)
|
882
|
1970
|
-6,0
|
-6,0
|
Dow Jones Industrial Avarage (Stand:
31.10.1983) |
1.225
|
1971
|
55,7
|
49,3
|
überschlägiger jährlicher Durchschnittsgewinn des DJI
einschließlich
Dividende
|
7%
|
1972
|
23,6
|
18,9
|
|
|
1973
|
-28,1
|
-28,1
|
|
|
1974
|
-12,0
|
-12,0
|
|
|
1975
|
38,5
|
38,5
|
|
|
1.1.76-31.10.76
|
38,2
|
34,5
|
|
|
1.11.76-31.10.77
|
30,3
|
25,5
|
|
|
| 1.11.77-31.10.78 |
31,8
|
26,6
|
|
|
| 1.11.78-31.10.79 |
34,7
|
28,9
|
|
|
| 1.11.79-31.10.80 |
41,8
|
34,7
|
|
|
| 1.11.80-31.10.81 |
4,0
|
3,3
|
|
|
| 1.11.81-31.10.82 |
29,8
|
25,4
|
|
|
| 1.11.82-31.10.83 |
22,2
|
18,4
|
|
|
|
Perlmeter hat im Portfolio nicht, was
Walter Schloss im Portfolio hat. Er hat im Portfolio nicht, was Bill
Ruane in seinem hat. Es sind Ergebnisse, die völlig
unabhängig von einander erbracht wurden. Doch jedes Mal, wenn
Perlmeter eine Aktie kauft, dann deshalb, weil er mehr für sein
Geld bekommt als er zahlen muss. Das ist das einzige, woran er denkt.
Er beachtet keine Vierteljahresprognosen, keine zukünftigen
Jahresgewinne und er denkt nicht darüber nach, welcher Wochentag
gerade ist. Er kümmert sich nicht darum, was welcher Investment
Research von wo auch immer empfiehlt. Er ist weder an Kursmomentum,
Volumen oder sonst was interessiert. Er fragt sich einfach nur: Was ist
dieses Unternehmen wert?
Tabelle 8 und Tabelle 9 sind die
Ergebnisse zweier Pensionsfonds, in
denen ich involviert gewesen bin. Dabei handelt es sich nicht um zwei
aus einem Dutzend ausgewählter Pensionsfonds, die ich beraten
habe. Nein, ich habe nur diese beiden beraten. Und in beiden
Fällen habe ich empfohlen, für das Management wertorientierte
Manager zu verpflichten. Nur sehr sehr wenige Pensionsfonds werden aus
Sicht des wertorientierten Anlegens verwaltet. Tabelle 8 zeigt den
Pensionsfonds der Washington Post. Zusammen mit einer großen Bank
schlug ich vor einigen Jahren vor für die Fondsverwaltung Manager
auszuwählen, die sich am Wertansatz orientieren.
Tabelle 8: Washington Post Company, Master
Trust, 31. Dezember 1983
|
|
aktuelles Quartal
|
1 Jahr
|
2 Jahre*
|
3 Jahre*
|
5 Jahre*
|
|
in
[%]
|
Rang
|
in
[%] |
Rang |
in
[%] |
Rang |
in
[%] |
Rang |
in
[%] |
Rang |
alle Investments
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
4,1
|
2
|
22,5
|
10
|
20,6
|
40
|
18,0
|
10
|
20,2
|
3
|
|
3,2
|
4
|
34,1
|
1
|
33,0
|
1
|
28,2
|
1
|
22,6
|
1
|
|
5,4
|
1
|
22,2
|
11
|
28,4
|
3
|
24,5
|
1
|
---
|
---
|
Master Trust
|
3,9
|
1
|
28,1
|
1
|
28,2
|
1
|
24,3
|
1
|
21,8
|
1
|
Stammaktien
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
5,2
|
1
|
32,1
|
9
|
26,1
|
27
|
21,2
|
11
|
26,5
|
7
|
|
3,6
|
5
|
52,9
|
1
|
46,2
|
1
|
37,8
|
1
|
29,3
|
3
|
|
6,2
|
1
|
29,3
|
14
|
30,8
|
10
|
29,3
|
3
|
---
|
---
|
Master Trust
|
4,7
|
1
|
41,2
|
1
|
37,0
|
1
|
30,4
|
1
|
27,6
|
1
|
Anleihen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2,7
|
8
|
17,0
|
1
|
26,6
|
1
|
19,0
|
1
|
12,2
|
2
|
|
1,6
|
46
|
7,6
|
48
|
18,3
|
53
|
12,7
|
84
|
7,4
|
86
|
|
3,2
|
4
|
10,4
|
9
|
24,0
|
3
|
18,9
|
1
|
---
|
---
|
Master Trust
|
2,2
|
11
|
9,7
|
14
|
21,1
|
14
|
15,2
|
24
|
9,3
|
30
|
Anleihen und Bargeld
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
2,5
|
15
|
12,0
|
5
|
16,1
|
64
|
15,5
|
21
|
12,9
|
9
|
|
2,1
|
28
|
9,2
|
29
|
17,1
|
47
|
14,7
|
41
|
10,8
|
44
|
|
3,1
|
6
|
10,2
|
17
|
22,0
|
2
|
21,6
|
1
|
---
|
---
|
Master Trust
|
2,4
|
14
|
10,2
|
17
|
17,8
|
20
|
16,2
|
2
|
12,5
|
9
|
*annualisiert
Der Rang zeigt die Performence des Pensionsfonds gegenüber einer
Vergleichsgruppe auf;
1 = beste Performance, 100 = schlechteste Performance
|
|
Wie Sie sehen, bewegen sich die
Ergebnisse seit dem Wechsel der Manager im oberen Prozentbereich. Die
Post gab den Fondsverwaltern zwar die Vorgabe, mindestens 25% des
Fondskapitals in Bonds anzulegen, was nicht unbedingt die Entscheidung
dieser Manager gewesen wäre. Dennoch habe ich die Rendite aus den
Bond-Anlagen mit eingerechnet, nur um zu zeigen, dass diese Gruppe
über keine besonderen Fachkenntnisse zu Bondanlagen verfügt.
Sie selbst würden dies auch nicht behaupten. Aber auch mit diesem
Bremsklotz von 25% des Fondskapitals in einem Bereich, das nicht ihre
Spielwiese war, erzielten sie Renditen im oberen Prozentbereich, wie
die Reihe jener anderen Fondsmanager. Die Erfahrungswerte der
Washington Post umfassen keine sehr lange Zeitspanne, aber sie
repräsentieren eine Vielzahl von Anlageentscheidungen der drei
Manager. Und schauen Sie, die drei habe ich nicht erst im Nachhinein
aus einer Reihe von Managern ausgewählt.
Tabelle 9 zeigt die Ergebnisse des Fonds der FMC Corporation. Ich
verwaltete nicht einen Groschen davon selbst, aber 1974 konnte ich so
entscheidend darauf einwirken, dass wertorientierte Manager für
die Fondsverwaltung eingesetzt wurden. Die zuvor tätigen
Geldmanager wurden in der gleichen Art und Weise wie in den meisten
großen Unternehmen ausgesucht. Heute wird der Fonds als Nummer 1
im Becker Survey der Pensionsfonds gelistet, und zwar für die
Größe, die er im Laufe der Zeit infolge der „Umwandlung“ zum
Wertansatz hin erreichte. Im letzten Jahr standen acht Aktienmanager
mit einer Dauer von mehr als einem Jahr unter Vertrag. Sieben von ihnen
erzielten eine bessere Gesamtleistung als der S&P. Die aktuelle
Nettodifferenz zwischen einer durchschnittlichen Performance und der
tatsächlichen Performance des FMC Fonds innerhalb dieses Zeitraums
beläuft sich auf 243 Millionen Dollar. FMC schreibt dies der
geistigen Haltung zu, die sie nun bei der Auswahl der Fondsverwaltung
pflegen. Jene Manager sind nicht notwendigerweise Manager, die ich
auswählen würde, aber sie besitzen einen gemeinsamen Nenner
bei der Auswahl von Wertpapieren, der auf dem Wertansatz basiert.
Tabelle 9: FMC Corporation Pension Fund,
prozentualer jährlicher Gewinn
|
beendete
Periode
|
1
Jahr
|
2
Jahre
|
3
Jahre
|
4
Jahre
|
5
Jahre
|
6
Jahre
|
7
Jahre
|
8
Jahre
|
9
Jahre
|
FMC
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1983
|
23,0
|
|
|
|
|
|
|
|
17,1*
|
1982
|
22,8
|
13,6
|
16,0
|
16,6
|
15,5
|
12,3
|
13,9
|
16,3
|
|
1981
|
5,4
|
13,0
|
15,3
|
13,8
|
10,5
|
12,6
|
15,4
|
|
|
1980
|
21,0
|
19,7
|
16,8
|
11,7
|
14,0
|
17,3
|
|
|
|
1979
|
18,4
|
14,7
|
8,7
|
12,3
|
16,5
|
|
|
|
|
1978
|
11,2
|
4,2
|
10,4
|
16,1
|
|
|
|
|
|
1977
|
-2,3
|
9,8
|
17,8
|
|
|
|
|
|
|
1976
|
23,8
|
29,3
|
|
|
|
|
|
|
|
1975
|
35,0
|
|
|
|
|
|
*nur
Aktien 18,5
|
Becker large plan median
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1983
|
15,6
|
|
|
|
|
|
|
|
12,6
|
1982
|
21,4
|
11,2
|
13,9
|
13,9
|
12,5
|
9,7
|
10,9
|
12,3
|
|
1981
|
1,2
|
10,8
|
11,9
|
10,3
|
7,7
|
8,9
|
10,9
|
|
|
1980
|
20,9
|
NA
|
NA |
NA |
10,8
|
NA |
|
|
|
1979
|
13,7
|
NA |
NA |
NA |
11,1
|
|
|
|
|
1978
|
6,5
|
NA |
NA |
NA |
|
|
|
|
|
1977
|
-3,3
|
NA |
NA |
|
|
|
|
|
|
1976
|
17,0
|
NA |
|
|
|
|
|
|
|
1975
|
24,1
|
|
|
|
|
|
|
|
|
S&P 500
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
1983
|
22,8
|
|
|
|
|
|
|
|
15,6
|
1982
|
21,5
|
7,3
|
15,1
|
16,0
|
14,0
|
10,2
|
12,0
|
14,9
|
|
1981
|
-5,0
|
12,0
|
14,2
|
12,2
|
8,1
|
10,5
|
14,0
|
|
|
1980
|
32,5
|
25,3
|
18,7
|
11,7
|
14,0
|
17,5
|
|
|
|
1979
|
18,6
|
12,4
|
5,5
|
9,8
|
14,8
|
|
|
|
|
1978
|
6,6
|
-0,8
|
6,8
|
13,7
|
|
|
|
|
|
1977
|
-7,7
|
6,9
|
16,1
|
|
|
|
|
|
|
1976
|
23,7
|
30,3
|
|
|
|
|
|
|
|
1975
|
37,2
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
So sehen die neun Ergebnisse der
„Münzwerfer“ aus Graham-und-Doddsville aus. Ich habe sie nicht im
Nachhinein untern tausenden ausgewählt. Und ich trage Ihnen auch
nicht die Namen aus einer Gruppe von Lotteriegewinnern vor – Leute, von
denen ich vor dem Lotteriegewinn niemals gehört habe. Nein, ich
habe diese Personen schon vor Jahren aufgrund ihrer Vorgehensweise bei
den Anlageentscheidungen ausgesucht. Mir war bekannt, was ihnen gelehrt
wurde und zudem kenne ich ein wenig ihren Intellekt, Charakter und ihr
Temperament. Es ist vor allem wichtig, dass Sie verstehen, dass diese
Gruppe weit weniger Risiko als der Durchschnitt eingeht. Beachten Sie
besonders deren Ergebnisse bei einer allgemein schwachen
Börsenlage. Zwar unterscheiden sich diese Manager vom Stil her
sehr stark voneinander, aber sie kaufen immer Unternehmen und
nicht Aktien. Einige von ihnen kaufen manchmal auch ganze Unternehmen.
Doch weitaus häufiger kaufen sie kleine Firmenanteile. Doch
gleichgültig ob sie das gesamte Unternehmen oder nur kleine Teile
davon kaufen, der Standpunkt bleibt derselbe. Einige von ihnen halten
Portfolios mit Dutzenden von Aktien; andere konzentrieren sich auf nur
eine Handvoll Aktien. Aber alle nutzen den Unterschied zwischen dem
Marktpreis des Unternehmens und dem inneren Wert.
Ich bin überzeugt, dass es viel Ineffizienz in den
Aktienmärkten gibt. Und jene Investoren aus Graham-und-Doddsville
haben erfolgreich den Unterschied von Preis und Wert genutzt. Wenn an
der Wall Street der Aktienkurs, der von den emotionalsten oder den
gierigsten oder den mutlosesten Menschen bestimmt wird, durch eine
„Herde“ beeinflusst werden kann, darf kaum jemand damit argumentieren,
dass am Markt die Kurse immer rational festgestellt werden.
Tatsächlich sind die Börsenkurse häufig unsinnig.
Ich möchte noch etwas Wichtiges
über Risiko und Chance sagen.
Manchmal korrelieren Risiko und Chance positiv miteinander. Nehmen wir
an, jemand würde mir vorschlagen: „Ich habe hier einen
Sechstrommelrevolver und eine Patrone eingelegt. Sichern Sie ihn und
drücken Sie einmal ab. Wenn Sie überleben, bekommen Sie eine
Million Dollar.“ Ich würde ablehnen, denn eine Million Dollar
wäre mir nicht genug. Vielleicht bietet man mir dann fünf
Millionen Dollar an, wenn ich den Auslöser zweimal drücke.
Somit würden nun Risiko und Chance positiv korrelieren!
Beim wertorientierten Anlegen trifft das genaue Gegenteil zu. Wenn Sie
einen Dollar für 60 Cent kaufen, ist es riskanter als wenn Sie
einen Dollar für 40 Cent kaufen, doch die Aussicht auf die
Vergütung ist im letzten Fall größer. Je höher das
Chancen-Potential in einem Value-Portfolio ist, desto geringer ist das
Risiko.
Ein kurzes Beispiel: 1973 wurde die Washington Post Company für 80
Millionen Dollar am Markt gehandelt. Gleichzeitig hätten Sie am
gleichen Tag das Anlagevermögen einem von 10 Käufern für
nicht weniger als 400 Millionen Dollar, wahrscheinlich aber deutlich
mehr, verkaufen können. Die Gesellschaft besaß die Post,
Newsweek sowie mehrere Fernsehstationen in Schlüsselmärkten.
Dieselben Liegenschaften sind heute 2 Milliarden Dollar wert. So
wäre jemand, der 400 Millionen Dollar gezahlt hätte, sicher
nicht verrückt gewesen.
Nun würde das Beta, wenn der Aktienkurs noch weiter fällt bis
zu einem Kurs, der die Bewertung auf 40 Millionen Dollar statt 80
Millionen Dollar bringen würde, damit aber noch höher. Und
für Leute, die glauben, dass Beta das Risiko misst, würde der
günstige Preis noch riskanter aussehen. Da befinden wir uns
wirklich in Alices Wunderland. Ich habe es nie verstanden, warum es
riskanter sein soll, wenn man Besitz im Wert von 400 Millionen Dollar
für 40 Millionen Dollar statt für 80 Millionen Dollar kauft.
Und so besteht in der Tat, wenn Sie eine Reihe solcher Wertpapiere
kaufen und Sie sich in der Unternehmensbewertung auskennen, praktisch
kein Risiko, wenn Sie 400 Millionen Dollar für 80 Millionen Dollar
kaufen. Vor allem wenn Sie dabei so vorgehen und jeweils zehn
40-Millionen-Dollar-Pakete à 8 Millionen kaufen. Außerdem
möchten Sie sich mit ehrlichen und kompetenten Leuten umgeben, da
Sie keinen Einfluss auf die 400 Millionen Dollar haben. Doch das
dürfte nicht so schwierig sein.
Weiter müssen Sie Kenntnisse besitzen, die Sie befähigen, den
Wert des entsprechenden Unternehmens ganz allgemein einzuschätzen.
Doch ziehen Sie den Spielraum dabei nicht zu eng. Das meint Ben Graham
mit Sicherheitsmarge. Versuchen Sie nicht, ein Geschäft im Werte
von 83 Millionen Dollar für 80 Millionen Dollar zu kaufen. Lassen
Sie sich selbst eine genügend große Spanne. Wenn man eine
Brücke baut, bestehen Sie auch darauf, dass diese 30.000 Pfund
trägt, während Sie nur mit 10.000 Pfund schweren Lastwagen
darüber fahren. Das gleiche Prinzip funktioniert auch bei
der Kapitalanlage.
Nun mögen sich die mehr kommerziell denkenden unter Ihnen wundern,
warum ich diesen Artikel schreibe. Denn viele zum Wertansatz Bekehrte
werden notgedrungen die Spanne zwischen Preis und Wert verringern. Ich
kann Ihnen aber versichern, dass dieses Geheimnis seit 50 Jahren offen
liegt. Seit Ben Graham und Dave Dodd die Geheimnisse der
Wertpapieranalyse geschrieben haben, habe ich in den 35 Jahren, in
denen ich den Wertansatz praktiziere, keinen Trend zum wertorientierten
Anlegen erkennen können. Anscheinend gibt es eine leicht perverse
menschliche Eigenschaft, die Dinge gerne schwieriger macht als sie
sind. Die akademische Welt hat sich, wenn überhaupt, in den
letzten 30 Jahren von der Lehre des wertorientierten Anlegens
tatsächlich entfernt. Und mir scheint, dass der Trend eher in
diese Richtung geht. Schiffe segeln rund um die Welt, aber die „Flat
Earth Society“ floriert weiter. Große Unterschiede zwischen Preis
und Wert wird es im Marktgeschehen immer geben und diejenigen, die
ihren Graham & Dodd gelesen haben, werden weiterhin erfolgreich
sein.
***
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