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Die Bruttomarge – ein mächtiges Werkzeug

Lesedauer: 5 Minuten

Gewinne, Gewinne, Gewinne! Wie viel Gewinn hat ein Unternehmen gemeldet? Hat es die Erwartungen der Wall Street erfüllt? Werden die Gewinne im nächsten Jahr steigen oder sinken? Laut Ken Fisher sind das schöne Fragen, aber Anleger verpassen einen viel besseren Maßstab für das zukünftige Wachstum von Unternehmen.

In seinem aktuellen RealClearMarkets Artikel „Unlike In Your Diet, Lots of Fat Is Great In Stocks“ setzt sich Fisher intensiv mit dem Konzept der Bruttomarge auseinander. Dass die Bruttomargen der Unternehmen von kurzfristig orientierten Marktteilnehmern selten in Betracht gezogen werden, verschafft langfristig orientierten Investoren einen Vorteil, den sie für sich nutzen können.

Ken Fisher über den Unternehmensgewinn

Zu Beginn seines Artikel stellt Ken Fisher jedoch klar, dass der Unternehmensgewinn bei Aktien sehr wohl eine Rolle spielt. Denn schließlich verbriefen Aktien die Eigentumsanteile an den zukünftigen Gewinnen der Gesellschaften. Jedoch haben die Gewinne der Vergangenheit keine Vorhersagekraft für die Gewinne in der Zukunft.

Fisher argumentiert, dass die Rechnungslegungsvorschriften es möglich machen, die kurzfristig ausgewiesenen Gewinne zu optimieren. Unternehmen entscheiden ganz legal, wann sie Abschreibungen anpassen, Abschreibungen vornehmen, Aktien zurückkaufen oder betriebliche Einrichtungen aufrüsten.

Darüber hinaus können einmalige Ausgaben den Quartalsgewinn reduzieren, schlagen danach aber nicht mehr negativ zu Buche. All dies verzerrt die ausgewiesenen Gewinne und verschleiert, was am wichtigsten ist: Die Stärke des Kerngeschäfts und das langfristige Wachstumspotenzial eines Unternehmens!

Genauso wichtig erscheint Ken Fisher die enorme Aufmerksamkeit, die den Nettogewinnen an der Wall Street zuteil wird. Diese Aufmerksamkeit unter den Anlegern bedeutet, dass neue Prognosen oder Ergebnisse vom Aktienmarkt nahezu augenblicklich in die Aktienkurse eingepreist werden.

Dies führt dazu, dass der Markt die Ergebnisse zum Zeitpunkt ihrer tatsächlichen Veröffentlichung weitestgehend erwartet hat. Sobald die Gewinnzahlen über die Nachrichtenticker verbreitet werden, kann sich der Aktienkurs kurzzeitig im Zickzack bewegen. Aber all das passiert zu schnell, als dass der gewöhnliche Anleger handeln könnte.

Aus dieser Beobachtung ergibt sich die Frage was Anleger tun können, wenn allgegenwärtige und vorab vom Aktienmarkt eingepreiste Daten niemandem mehr einen Investitionsvorteil verschaffen?

Ken Fisher über die Bruttomarge

Heutzutage betrachten die meisten Anleger Bruttomargen als Relikte einer vordigitalen Ära, als Börsenhändler ihre Geschäfte im Parketthandel durch gegenseitiges Zurufen abschlossen haben und Desktop-Computer weniger Leistung als die heutigen Smartphones hatten.

Datengetriebene Investmentmanager behaupten, dass die Bruttogewinnmargen zu rudimentär seien, um mit ihren komplexen Algorithmen zu konkurrieren. Ken Fisher stellt klar, dass die Bruttomargen, als er vor 50 Jahren anfing, ironischerweise noch genau deshalb gelehrt wurden. Eben weil sie so einfach sind.

Supercomputer sind für die Berechnung von Bruttomargen nicht notwendig. Man zieht einfach die Kosten der verkauften Waren vom Umsatz ab und teilt das Ergebnis durch den Umsatz. Fertig!

Da heutzutage so viele Experten die Bruttomargen ablehnen, ist diese Kennziffer nicht nur einfach zu berechnen, sondern stellt für langfristig orientierte Investoren auch ein mächtiges Werkzeug dar. Für Ken Fisher ist entscheidend, dass die Bruttomargen einen klaren Blick auf die Fähigkeit eines Unternehmens liefern, zukünftiges Wachstum selbst zu finanzieren.

Höhere Bruttomargen geben dem Unternehmen mehr Spielraum für Vertriebs-, Marketing-, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, welche das Wachstum ankurbeln. Sie ermöglichen eine einfachere Finanzierung von Investitionen, Fusionen und Übernahmen oder allem anderen, was die zukünftige Expansion vorantreibt.

Darüber hinaus bieten höhere Bruttomargen einen Puffer, der es Unternehmen im Abschwung ermöglicht, auch bei steigenden Kosten oder sinkender Nachfrage zu profitieren.

Beispiele für hohe Bruttomargen

Der amerikanische Aktienmarkt bietet mit einer durchschnittlichen Bruttomarge von momentan 33,1%, verglichen mit 26,0% in den nicht US-amerikanischen Industrieländern, die weltweit höchsten Margen.

Dabei sind die höchsten der hohen Margen unter den großen Tech-Aktien zu finden. In den USA weist der Sektor eine Bruttomarge von 48% auf, wobei Unternehmen der Softwareindustrie mit 71% die margenstärksten sind.

Technologieähnliche Unternehmen in der Branche für interaktive Medien sowie des Kommunikationsdienstesektors erzielen eine Bruttomarge von satten 63%. Im Gesundheitswesen liegen US-Pharmaunternehmen bei im Durchschnitt 64% und die Biotechnologie bei noch besseren 74%.

Auch die Firmen für Geräte und Verbrauchsmaterialien im Gesundheitswesen sind mit 56% hervorzuheben, während einzelne Unternehmen innerhalb der Konsumgüterbranche, wie Haushalts- und Körperpflegeprodukte, ebenfalls die 50%-Marke übersteigen.

Aber auch außerhalb den Vereinigten Staaten finden Anleger hohe Margen, die sich laut Ken Fisher perfekt zur Diversifizierung des eigenen Portfolios eignen. Beispielsweise kommen europäische Unternehmen aus dem Gesundheitswesen auf eine Bruttomarge von durchschnittlich 56%.

Anleger werden in diesem Sektor in der Schweiz, Frankreich, Dänemark und Deutschland fündig. Japan und Großbritannien bieten ebenfalls gute Margen im Pharmabereich. Die Bruttomargen der ersteren glänzen bei 75% und die der letzteren liegen mit 65% nicht weit dahinter.

Die Luxusgüterindustrie kommt weltweit auf eine Bruttomarge von durchschnittlich 54%. Europa dominiert diesen Bereich mit Ländern wie Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Für die Suche nach Konsumgüteraktien mit höherer Marge empfiehlt Ken Fisher den Blick auf Großbritannien und Japan zu richten.

Dagegen liegen die Sektoren Grundstoffe, Energie, Industrie und Versorger weltweit alle unter 25%, während das Konzept der Bruttomargen bei Finanzwerten aufgrund ihrer Geschäftsmodelle überhaupt nicht funktioniert.

Für Banken sind die Nettozinsmargen das entscheidende Kriterium, da sie sich das Geld zu kurzfristigen Zinsen leihen, um langfristig ausgereichte Kredite zu finanzieren. Die Lücke zwischen den beiden bestimmt die Nettozinsspanne.

Die langfristigen Zinsen wiederum sind weltweit niedrig, wobei Amerikas 10-Jahres-Rendite von derzeit etwa 1,3% zu den höchsten in den entwickelten Märkten gehört. Da die Fed und andere Zentralbanken die kurzen Zinsen nahe Null festgesetzt haben, fallen die Nettozinsmargen schwach aus.

Fazit

Während sich die meisten Anleger auf Details und Komplexität konzentrieren, bezeichnet Ken Fisher die Einfachheit der Bruttomargen als magisch. Fisher empfiehlt Anlegern, ihre Portfolios mit Aktien von Unternehmen mit hohen Bruttomargen sowohl in Amerika als auch weltweit aufzustocken.

In Kategorie: Miscellaneous

Über den Autor

Veröffentlicht von

Guten Tag, mein Name ist Mario Wolff. Ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Value Investing. Wenn Du magst, kannst Du meinem Blog auf Twitter folgen oder den Feed abonnieren.

4 Kommentare

  1. Alexander Trobisch

    Hallo Herr Wolff,

    vielen Dank für die super Beiträge.

    Aktuell habe ich den Artikel über Ron Baron gelesen. Ist bekannt, wo er die Anteile von SpaceX untergebracht hat? Da würde ich gerne einsteigen.

    Vielen Dank und alles Gute

    Alexander Trobisch

  2. Hallo Herr Trobisch,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Ron Baron hat seine SpaceX Beteiligung im Jahr 2017 über eine Privatplatzierung erhalten. Da das Unternehmen noch nicht börsennotiert ist, ist es für den durchschnittlichen Anleger nicht investierbar.

    Schöne Grüße
    Mario Wolff

  3. Alexander Trobisch

    Hallo Herr Wolff,

    vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für die Beantwortung nehmen.

    Ich hatte vermutet, dass Ron Baron seine Anteile aus der Privatplatzierung in einen seiner Fonds eingebracht hat. Den hätte ich dann erworben.

    Alles Gute und noch ein schönes Wochenende.

    Herzliche Grüße

    Alexander Trobisch

  4. Hallo Herr Trobisch,

    im Baron Asset Fund hält Ron Baron die größte SpaceX Position. Diese macht allerdings nur 0,7% des Portfolios aus.

    Die Alternative wäre über Alphabet in SpaceX zu investieren. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass Google einen Anteil von 7,5% besitzt.

    Schöne Grüße
    Mario Wolff

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