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David Einhorn: Kommt Value Investing jemals wieder in Mode?

Der Gründer und Manager des Hedgefonds Greenlight Capital, David Einhorn, sagte in einem am 11. Oktober 2022 mit Bloomberg am Rande der Robin Hood Investors Conference in New York geführten Interview, dass er nicht wisse, ob Value Investing jemals wieder in Mode kommen werde.

David Einhorn
Bild: David Einhorn im Bloomberg-Interview vom 11. Oktober 2022

Zwar bleibt Einhorns Performance in einem 3-, 5-, 10- und 15-Jahres-Zeitraum durchweg deutlich hinter der Rendite des S&P 500 zurück. Ich verfolge David Einhorn allerdings schon seit der Pleite von Lehman Brothers, als er bereits ein halbes Jahr zuvor in einer Rede erläuterte, warum US-Investmentbanken nicht sicher sind.

Hier ist, was David Einhorn im aktuellen Marktumfeld zu sagen hat:

Was das Value Investing betrifft, weiß Einhorn nicht, ob diese Anlagephilosophie jemals wiederkommen wird, da sich die Marktstruktur stark verändert hat und die meisten Value-Investoren aus dem Geschäft gedrängt wurden.

Wenn also Value Investing bedeutet, dass man versucht darüber nachzudenken, was Unternehmen wert sind, darüber nachzudenken, warum sie möglicherweise falsch bewertet oder missverstanden werden, um danach eine Bewertungsanalyse durchzuführen, die einem sagt, dass dies tatsächlich der Fall ist, dann sind laut David Einhorn nur noch sehr wenige von uns übrig.

Die meisten der heutigen Marktteilnehmer können seiner Einschätzung nach entweder keine Bewertungen vornehmen, sind einfach nicht darin geschult oder erfahren, oder ihre Struktur erlaubt es ihnen nicht, z.B. wenn es sich um einen Indexfonds oder eine passive Anlage handelt.

Das Letzte was Sie tun ist, ein Unternehmen zu bewerten. Oder das von diesen Investoren verfolgte System ist ein quantitatives System, ein Handelssystem oder ein algorithmisches System. Oder ihr Stil ist es, einfach Dinge zu kaufen, deren Charts nach rechts oben gehen.

Einhorn führt weiter aus, dass es früher bei jeder Telefonkonferenz eines Unternehmens Dutzende von Analysten von den unterschiedlichsten miteinander konkurrierenden Hedgefonds gab, die zuhörten was die Unternehmen tun beziehungsweise sagen, und dann versuchten, das Unternehmen zu bewerten.

Diese Mitarbeiter existieren laut David Einhorn nicht mehr, weil die Investmentwelt passiv geworden ist und es einfach viel weniger Wettbewerb für das gibt, was Value-Investoren klassischerweise tun.

Einhorn sagt weiter, dass er früher Aktien zu einem einigermaßen niedrigen Multiplikator kaufen konnte und davon profitiert hat, wenn andere Anleger sechs Monate oder ein Jahr später die Fehleinschätzung des Marktes ebenfalls erkannten und die Aktien neu bewerteten.

Beispielsweise konnte man eine Aktie etwa zum 11-fachen des Gewinns kaufen, die diesen Gewinn um vielleicht 10% steigern würde. Sofern der Aktienmarkt den Gewinnmultiplikator daraufhin aber um drei Punkte erhöht, konnte man mit der Aktie über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahren 50% verdienen.

Solche Investitionen sind laut David Einhorn momentan nicht mehr möglich, weil es niemanden gibt, der mitbekommt, was in diesen Unternehmen tatsächlich passiert. Also weiß niemand mehr, was etwas wert ist.

Infolgedessen gibt es nach seiner Einschätzung also eine enorme Anzahl von Unternehmen, die auf eine Art und Weise dramatisch falsch bewertet sind. Während Einhorn früher vielleicht das 8-, 9- oder 12-fache gezahlt hat, was ihm seinerzeit als niedriger Multiplikator erschienen ist, kann er aktuell viele dieser Unternehmen zum 3- oder 4-fachen der Gewinne kaufen.

Anmerkungen

Laut GuruFocus erzielte David Einhorn mit seinem Hedgefonds Greenlight Capital in den vergangenen 10 Jahren von 2012-2021 nur eine Gesamtrendite von 0,4% und liegt damit um 14,2% pro Jahr (!) hinter dem S&P 500. Auch in einem 15-Jahres-Zeitraum von 2007-2021 erzielte er nur 1,82% Rendite p.a., was einer Unterperformance von 6,6% pro Jahr entspricht.

Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn bei David Einhorn vielleicht eine gewisse Enttäuschung im Spiel ist. Es ist aber zumindest etwas überraschend, dass er ein solches Interview in einem Jahr gibt, in dem der Value Investing Ansatz die Ergebnisse der meisten Wachstumsinvestoren bei weitem übertroffen haben dürfte.

Bis dato war es an der Börse immer wahr, dass zum Erzielen einer Outperformance Strategien notwendig sind, die bei der überwiegenden Mehrzahl der Anleger gerade in Ungnade gefallen sind. Aus diesem Grund bleibt es abzuwarten, ob Value Investing vielleicht nicht doch ein Comeback erlebt, wenn der aktuelle Bärenmarkt zu Ende geht.

Quelle:
In Kategorie: Miscellaneous

Über den Autor

Veröffentlicht von

Guten Tag, mein Name ist Mario Wolff. Ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Value Investing. Wenn Du magst, kannst Du meinem Blog auf Twitter folgen oder den Feed abonnieren.

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