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Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 2002

An die Aktionäre der Berkshire Hathaway Inc.:

Unser Nettowert nahm in 2002 um $ 6,1 Milliarden zu, was den Buchwert je Aktie sowohl der A-Aktien als auch der B-Aktien um 10 % erhöhte. Während der letzten 38 Jahre (seit der Übernahme durch das aktuelle Management) ist der Buchwert je Aktie von $ 19 auf $ 41.727,-- gestiegen, was einer jährlichen durchschnittlichen Rate von 22,2 % entspricht.

2002 war in jeder Hinsicht ein schlagzeilenträchtiges Jahr. Details gibt es später, aber hier ist ein Überblick:

Trotz einer schleppenden Wirtschaft entwickelten sich unsere verschiedenen Nicht-Versicherungs-Aktivitäten außerordentlich gut. Vor einer Dekade betrug Berkshires jährliches Einkommen aus Nicht-Versicherungs-Aktivitäten $ 272 Millionen. Heute verdienen wir diese Summe mit unserer immer weiter wachsenden Sammlung von Fabriken, Einzelhändlern, Service- und Finanzdienstleistungen monatlich.

Unsere Versicherungsgruppe erhöhte ihr Vermögen auf $ 41,2 Milliarden, ein heftiger Anstieg von $ 5,7 Milliarden. Noch besser: Die Kosten für dieses Vermögen lagen 2002 nur bei 1 %. Die Rückkehr zu günstigem Vermögen fühlt sich gut an, insbesondere nach unseren schlechten Ergebnissen in den drei vorangegangenen Jahren. Berkshires Rückversicherungsbereich und GEICO schossen in 2002 den Vogel ab, und General Re zeigte wieder Disziplin bei der Übernahme von Risiken.

Berkshire übernahm einige wichtige neue Unternehmen - mit wirtschaftlichen Merkmalen von gut bis großartig und geführt von Managern von großartig bis großartig. Diese Eigenschaften sind zwei Beine unserer „Eintritts“-Strategie, das dritte ist ein vernünftiger Erwerbspreis. Anders als LBO-Firmen und Private Equity Firms haben wir keine „Exit"-Strategie - wir kaufen, um zu behalten. Das ist ein Grund, warum Berkshire für Verkäufer und ihre Manager üblicherweise die erste - und manchmal die einzige - Wahl ist.

Unsere marktgängigen Wertpapiere haben die meisten Indizes ausperformt. Für Lou Simpson, der Aktien bei GEICO managt, ist das ein alter Hut. Aber für mich war es eine willkommene Abwechslung von den letzten paar Jahren, in denen mein Investmentergebnis düster war.

Die Summe dieser positiven Faktoren verursachte in 2002 eine um 32,1 Prozentpunkte bessere Einwicklung unseres Buchwertes gegenüber dem S&P 500. Dieses Ergebnis ist irrwitzig: Charlie Munger, Berkshires Vice Chairman und mein Partner, und ich hoffen, - meistens - durchschnittlich ein besseres jährliches Ergebnis von einigen Punkten zu erreichen. In Zukunft wird es Jahre geben, in denen uns der S&P ziemlich verprügeln wird. Tatsächlich wird dies in einem starken Bullenmarkt fast sicher passieren, weil der Anteil der Aktien an unseren Aktiva deutlich abgenommen hat. Natürlich hilft dieser Wechsel unserer relativen Performance in schwachen Märkten, wie wir sie in 2002 hatten.

Ich habe noch eine andere Mahnung zu den Ereignissen des letzten Jahres zu erwähnen. Wenn Sie in den vergangenen Jahren Geschäfts- und Zwischenberichte gelesen haben, haben Sie eine Flut von „Pro-forma"-Gewinnausweisen gesehen - Aufstellungen, in denen Manager ständig „Gewinne" ausweisen, die deutlich über denen liegen, die ihre Buchprüfer zulassen. In diesen Präsentationen erzählen die Bosse ihren Eigentümern: „Vergiß' dies und vergiß' das - zähl nur das, was Gewinne bringt." Oftmals gibt es jedes Jahr eine Vergiß-den-ganzen-Mist-Botschaft, ohne daß das Management errötet.

Bei uns muß es erst noch eine Pro-forma-Präsentation geben, bei der die geprüften Ergebnisse etwas hoch sind. Darum lassen Sie uns ein wenig Geschichte machen: Im letzten Jahr hatte Berkshire auf Pro-forma-Basis geringere Gewinne als die aktuell ausgewiesenen.

Das ist wahr, weil es zwei positive Faktoren gab, die unsere ausgewiesenen Zahlen unterstützten. Zunächst gab es in 2002 keine Megakatastrophe, das heißt daß Berkshire (ebenso wie andere Versicherer) im Versicherungsgeschäft mehr verdient hat, als wenn wir normal hätten leisten müssen. In Jahren, in denen das Gegenteil zutrifft - wegen gigantischer Wirbelstürme, Erdbeben oder von Menschen herbeigeführter Desaster - berichten viele Versicherer gerne, daß sie X „ohne" das außergewöhnliche Ereignis verdient hätten. Die Schlußfolgerung ist die, da solche Megaereignisse unregelmäßig stattfinden, sollten sie nicht gezählt werden, wenn der „wahre" Gewinn berechnet wird. Das ist irreführender Unsinn. „Ohne"-Verluste werden immer Teil des Versicherungsgeschäftes sein, und sie werden immer mit dem Geld der Aktionäre bezahlt werden.

Trotzdem entfernen wir für die Zwecke dieser Übung eine Seite aus dem Buch dieser Industrie. Für das letzte Jahr, in dem wir keine wirklich großen Desaster hatten, ist eine Anpassung nach unten angemessen, wenn Sie unser Versicherungsergebnis "normalisieren" wollen.

Zweitens begünstigte der Rentenmarkt in 2002 bestimmte Strategien, die wir in unserem Geschäft mit Finanzen und Finanzprodukten verfolgt haben. Die Gewinne aus diesen Strategien werden in einem oder zwei Jahren sicherlich zurückgehen - und können auch ganz verschwinden.

Sooooo... „Ohne" einige positive Faktoren wäre unser Vorsteuergewinn des letzten Jahres etwa $ 500 Millionen geringer als letztendlich ausgewiesen. Wir sind trotzdem glücklich, diesen Überschuß zu haben. So wie es Jack Benny beim Erhalt eines Preises einmal sagte: „Ich verdiene diese Ehre nicht - aber ich habe Arthritis, und das verdiene ich auch nicht."

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