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Warum Berkshire Hathaway keine Dividende zahlt

Lesedauer: 6 Minuten

Auch wenn die Aktie von Berkshire Hathaway eine lange Historie anhaltender Wertsteigerungen aufweist, wünschen sich einige Aktionäre dennoch eine Dividende.

In seinem Aktionärsbrief für das Jahr 2012 versuchte Warren Buffett zu erklären, warum die Zahlung einer Dividende nicht im Interesse der meisten Berkshire-Aktionäre ist und dass diejenigen, die eine regelmäßige jährliche Kapitalrendite wünschen, diese einfach durch den Verkauf von einigen Aktien erreichen können.

Zu Beginn seiner Ausführungen fasste Buffett noch einmal zusammen, dass ein profitables Unternehmen seine Gewinne auf verschiedene Art und Weise verwenden kann:

  1. Reeinvestition in das bestehende Geschäft
  2. Akquisition anderer Unternehmen oder Teilen davon
  3. Rückkauf eigener Aktien
  4. Zahlung einer Dividende

Zum dritten Punkt merkt Warren Buffett an, dass Aktienrückkäufe für ein Unternehmen sinnvoll sind, wenn seine Aktien mit einem deutlichen Abschlag zum konservativ kalkulierten Inneren Wert an der Börse gehandelt werden. Folglich ist bei Rückkaufentscheidungen der Preis entscheidend. Wert wird zerstört, wenn Käufe über dem Inneren Wert getätigt werden. Buffett glaubt, dass Berkshires Aktionäre von Aktienrückkäufen bis zum 1,2-fachen des Buchwertes profitieren.

Zur Beurteilung von Dividendenzahlungen präsentierte Buffett in seinem Aktionärsbrief ein Rechenbeispiel, um die Argumente für und gegen Dividenden zu erläutern.

Zahlung einer Dividende: Rechenbeispiel

Warren Buffett bittet den Leser anzunehmen, dass er zusammen mit Buffett selbst ein Unternehmen mit einem Nettovermögen von 2 Millionen US-Dollar besitzt, welches 12% oder 240.000 US-Dollar auf dieses Vermögen verdient und die gleichen 12% auf jeden Dollar an reinvestierten Gewinnen vereinnahmen kann. Darüber hinaus gibt es Außenstehende, die sich immer mit 125% des Nettovermögens in das gemeinsam gehaltene Unternehmen einkaufen möchten. Daher beträgt der Wert dessen, was jeder besitzt, am Ausgangspunkt der Betrachtungen 1,25 Millionen US-Dollar.

Als zweite Annahme setzt Warren Buffett voraus, dass beide Aktionäre ein Drittel des Jahresgewinns als Dividende ausgezahlt bekommen und zwei Drittel des Gewinns in das Unternehmen reinvestiert werden. Laut Buffetts Einschätzung wird dieser Plan die Bedürfnisse für laufendes Einkommen und Kapitalwachstum gut ausbalancieren. Somit werden von den 240.000 US-Dollar Jahresgewinn 80.000 US-Dollar als Dividende ausgezahlt und 160.000 US-Dollar einbehalten, um die zukünftigen Gewinne des Unternehmens zu steigern.

Im ersten Jahr würde die Dividende für jeden der beiden Eigentümer 40.000 US-Dollar betragen, welche unter Beibehaltung der Ausschüttungsquote von einem Drittel mit steigenden Unternehmensgewinnen zunehmen würde. Insgesamt würden die Dividenden und der Aktienwert des Unternehmens jedes Jahr um 8% steigen (12% des Nettovermögens abzüglich 4% des als Dividende ausbezahlten Betrages).

Nach zehn Jahren hätte das gemeinsam gehaltene Unternehmen ein Nettovermögen von 4.317.850 US-Dollar (die ursprünglichen 2 Millionen US-Dollar haben sich mit einer Rendite von 8% verzinst), die Dividendenzahlung im Jahr darauf würde 86.357 US-Dollar betragen. Beide Anteilseigner hätte Aktien im Wert von 2.698.656 US-Dollar (125% der Hälfte des Nettovermögens des Unternehmens). Die Dividenden und der Wert der Aktien würden weiterhin jährlich um 8% steigen.

Alternativer Ansatz zur Zahlung einer Dividende

Als Alternative zur Dividende beschreibt Warren Buffett ein Szenario, in dem alle Erträge im Unternehmen belassen würden und beide Anteilseigner jedes Jahr 3,2% ihrer Aktien verkaufen würden. Da sich die Aktien zu 125% des Nettovermögens veräußern lassen, würde dieser Ansatz zunächst die gleichen 40.000 US-Dollar in bar einbringen. Eine Summe, die jährlich ebenfalls wachsen würde. Buffett nennt diese Option den „Ausverkauf“-Ansatz.

In diesem „Ausverkaufs“-Szenario steigt das Nettovermögen des Unternehmens nach zehn Jahren auf 6.211.696 US-Dollar (2 Millionen US-Dollar werden mit einer Rendite von 12% verzinst). Da jährlich Aktien verkauft würden, wäre der prozentuale Anteil jedes Anteilseigners von ursprünglich 50% auf jeweils 36,12% des Unternehmens gesunken.

Trotzdem würden beide Anteilseigner nach zehn Jahren einen Betrag von 2.243.540 US-Dollar am Nettovermögen des Unternehmens besitzen. Und da jeder Dollar des Nettovermögens für 1,25 Dollar verkauft werden kann, würde der Marktwert der verbleibenden Aktien für jeden Anteilseigner 2.804.425 US-Dollar betragen. Das sind etwa 4% mehr, als der Wert der Aktien i.H.v. 2.698.656 US-Dollar aus dem Rechenbeispiel zur Zahlung einer Dividende.

Darüber hinaus würden die jährlichen Bareinnahmen aus diesem „Ausverkaufs“-Ansatz jetzt 4% mehr betragen, als im Dividendenszenario. Somit hätten beide Unternehmenseigner sowohl mehr Geld, das Sie jährlich ausgeben können, als auch ein höheres Kapitalvermögen.

Abschließend merkt Warren Buffett an, dass diese Berechnung natürlich davon ausgeht, dass das hypothetisch gehaltene Unternehmen weiterhin jährlich 12% des Nettovermögens erwirtschaften kann und seine Aktionäre ihre Aktien für durchschnittlich 125% des Buchwertes verkaufen können.

Da die S&P 500 Unternehmen deutlich mehr als 12% ihres Nettovermögens verdienen und zu einem Preis von weit über 125% ihres Buchwertes gehandelt werden, schätzt Buffett beide Annahmen auch für Berkshire Hathaway als realistisch ein.

Der „Ausverkaufs“-Ansatz in der Praxis

Seit dem Jahr 2005 hat Warren Buffett jährlich etwa 4¼% seiner Berkshire-Aktien verschenkt. Durch diesen Prozess hat sich sein ursprünglicher Bestand von 712.497.000 B-äquivalenten Aktien auf splitbereinigt 528.525.623 Aktien reduziert. Auch wenn sich Buffetts Eigentumsanteil an Berskhire Hathaway offensichtlich deutlich verringert hat, hat sich seine Investition in das Geschäft erhöht.

Denn der Buchwert seiner Beteiligung an Berkshire Hathaway im Jahr 2012 übersteigt den Buchwert seiner Beteiligung im Jahr 2005 erheblich. Die tatsächlichen Zahlen liegen bei 28,2 Milliarden US-Dollar für 2005 und 40,2 Milliarden US-Dollar für 2012. Obwohl Buffetts Beteiligung am Unternehmen erheblich zurückgegangen ist, ist sein Anteil in absoluten Beträgen um 12,0 Milliarden US-Dollar oder 5,2% per anno gestiegen.

Buffetts Sichtweise auf andere Unternehmen

Warren Buffett führte in seinem Aktionärsbrief aus, dass die meisten Unternehmen konstante Dividenden zahlen und im Allgemeinen auch versuchen, diese jährlich zu erhöhen beziehungsweise nur sehr zögerlich kürzen. Berkshires vier größte Portfoliounternehmen (in 2012 waren dies Wells Fargo, Coca-Cola, IBM und American Express) verfolgen diesen seiner Meinung nach sinnvollen Ansatz und kaufen in Einzelfällen auch recht aggressiv eigene Aktien zurück.

Buffett begrüßt diese Vorgehensweise ausdrücklich und hofft, dass die Unternehmen ihren bisherigen Weg fortsetzen, da er höhere Dividenden mag und Aktienrückkäufe zu angemessenen Preisen liebt. Er weist jedoch darauf hin, dass er bei Berkshire konsequent einen anderen Ansatz verfolgt hat und an dieser Politik festhalten wird, solange seine Annahmen zum Buchwertaufbau und zum Marktpreisaufschlag angemessen sind.

Sollten sich die Aussichten für einen der beiden Faktoren wesentlich verschlechtern, ist Buffett bereit sein Handeln überdenken.

Entwicklungen seit dem Jahr 2012

Im Jahr 2014 stimmten die Aktionäre von Berkshire Hathaway mit 95% gegen die Einführung einer Dividende. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Berkshire A-Aktien das 6⅔-fache Stimmrecht der B-Aktien besitzen (1.500 B-Aktien entsprechen einer A-Aktie; die A-Aktie hat das 10.000-fache Stimmgewicht).

Ab 2018 und mit einem starken Anstieg im letzten Quartal 2019 hat Warren Buffett eine Politik der Kapitalrückführung durch Aktienrückkäufe begonnen, die allen Aktionären noch stärker dient. Im Jahr 2020 erreichte die Rückkaufquote 5% und soll in diesem Jahr bei mindestens 4% liegen. Der Effekt besteht darin, dass Aktionäre die eine Barrendite wünschen, denselben Prozentsatz ihrer Aktien verkaufen können, während sie ihren prozentualen Anteil am Eigentum von Berkshire Hathaway behalten.

Berkshire-Aktionäre, die keine Dividende wünschen, erhöhen ihren Anteil am Unternehmen und vermeiden die steuerlichen Konsequenzen, die sie für unerwünscht halten. Auch wenn sich Berkshires Wachstum in den letzten zwei Jahrzehnten verlangsamt hat, bleibt die Aktie ein ideales Vehikel, um langsam wohlhabend zu werden oder wohlhabend zu bleiben.

Verweise
In Kategorie: Miscellaneous

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Guten Tag, mein Name ist Mario Wolff. Ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Value Investing. Wenn Du magst, kannst Du meinem Blog auf Twitter folgen oder den Feed abonnieren.

1 Kommentar

  1. Hallo Mario,

    ich fand deinen Beitrag über Bloggerei. Ich finde es interessant, dass Warren Buffet auf bewährte Unternehmen setzt. Das, was die Kunden nutzen und auch morgen noch interessieren wird, sind vielleicht die besten langfristigen Erwägungen. Auch dass manche Unternehmen Aktien zurückkaufen und dadurch der Wert steigt, ist gut zu wissen.

    Die Märkte von morgen entstehen auch dort, wo Investoren heute das Geld hin fließen lassen. Wir sollten uns dieser Verantwortung bewusst sein.

    Wer großen finanziellen Einfluss hatte in dieser Gesellschaft, trug hier auch eine große Verantwortung.

    Viele Grüße, Matthias

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